Doping im Radsport : TV-Sender entscheiden im Herbst über Tour

Zeigen ARD und ZDF auch in den kommenden Jahren Live-Bilder von der Tour de France? Im September wollen die Intendanten der Sender gemeinsam über diese Frage entscheiden. Unterdessen gibt es Neuigkeiten im Fall des unter Dopingverdacht stehenden Fahrers Riccardo Ricco.

Tour de France
Zweifelhafte Veranstaltung: die Tour de France. -Foto: dpa

Digne-les-BainsARD und ZDF wollen im September darüber entscheiden, ob sie weiter live von der Tour de France berichten. Das bestätigte am Samstag Roman Bonnaire, der Tour-Teamchef der öffentlich-rechtlichen Sender. Im Vorjahr hatten ARD und ZDF nach Bekanntwerden des Dopingfalles Patrik Sinkewitz die Live-Berichterstattung aus Frankreich gestoppt. "Die Europäische Rundfunk-Union EBU hat die TV-Rechte für die kommenden drei Jahre und wir werden entscheiden, ob wir sie nutzen. Im Moment ist die Tendenz, dass wir es wohl tun werden", sagte Bonnaire im Ziel der 14. Tour-Etappe in Digne-les-Bains.

Die bisher bekanntgewordenen drei Dopingfälle der laufenden Tour haben die TV-Verantwortlichen noch nicht dazu bewegt, über einen möglichen Ausstieg nach dem Vorbild des Vorjahres nachzudenken. "Wenn wir den Eindruck hätten, die Veranstalter würden beim Anti-Doping-Kampf nicht korrekt arbeiten oder es würde einen prominenten deutschen Fahrer treffen, müssten wir natürlich neu überlegen", sagte Bonnaire weiter.

Ricco "sehr verbittert"

Unterdessen wurden am Samstag Neuigkeiten im Fall Riccardo Ricco bekannt. Der als dritter Fahrer der diesjährigen Tour des Dopings überführte Italiener wurde am Freitagabend nach seiner Anhörung im Gerichtssaal von Foix mit seiner Anwältin Stéphanie Rabat zur italienischen Grenze eskortiert, wo seine Mutter und seine Freundin auf ihn warteten. "Ich bin sehr verbittert. Ich verbrachte eine Nacht auf der Polizeistation und es war wie im Gefängnis", sagte der diesjährige Giro-Zweite dem italienischen TV-Sender Rai.

Man habe in seinen Taschen nur "einige Vitamine" gefunden, "die wir alle gebrauchen und deswegen haben sie mich nach Hause gehen lassen". Der Staatsanwalt von Foix, Antoine Leroy, hatte berichtet, in Riccos Hotelzimmer seien Spritzen und anderes medizinisches Material gefunden worden, jedoch keine Dopingsubstanzen. Der von seinem spanischen Team Saunier Duval entlassene Ricco leugnete weiter, mit Epo oder anderen Präparaten gedopt zu haben.

"Negativer Einfluss auf Barloworld"

Saunier-Duval-Generaldirektor Thierry Leroy erklärte, es sei "sehr wahrscheinlich", dass der Heiz- und Klimagerätehersteller nach der Doping-Affäre Ricco sein Radsport-Engagement beenden werde. Der Mutterkonzern von Saunier Duval ist das Remscheider Unternehmen Vaillant. Zudem kündigte am Samstag das südafrikanische Management-Unternehmen Barloworld an, das von ihm gesponserte Team wegen des Dopingfalls Moises Dueñas Nevado nach der Tour nicht länger zu unterstützen. Der Skandal um den Spanier habe einen "negativen Einfluss auf Barloworld", sagte Marketing-Chef Chris Fisher: "Zu sagen, dass wir enttäuscht sind, wäre eine Untertreibung."

Saunier-Duval-Teamchef Mauro Gianetti hatte mit der Entlassung von Riccos Landsmann Leonardo Piepoli den Verdacht genährt, dass seinem Team ein weiterer Doping-Fall bevorstehen könnte. Er habe nach einem Gespräch mit dem Etappensieger von Hautacam keine "überzeugenden Antworten" erhalten, sagte Gianetti. "Ich habe persönliche Zweifel an Piepoli: Nach einem Gespräch mit ihm fühlte ich, dass man ihm nicht trauen kann." (feh/dpa)