Doping : Nada-Chef: Im Fußball wird weiter gedopt

Der Deutsche Fußball-Bund will enger mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) zusammenarbeiten. Auch an finanziellen Fragen soll der Kampf gegen die illegalen Substanzen nicht scheitern.

Theo Zwanziger Foto: ddp
DFB-Präsident Theo Zwanziger. -Foto: ddp

Hamburg/StuttgartArmin Baumert, Vorstandschef der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), geht davon aus, dass auch heute noch im Fußball gedopt wird. "Die Gegenwart ist knallhart zu betrachten: Der Fußball, international und national, ist keine dopingfreie Zone", sagte er in einem Hörfunk-Interview des Südwestrundfunks SWR. Die Geständnisse zu Dopingvergehen in der Vergangenheit seien nur ein populäres Outing für die Massenmedien.

Im Kampf gegen Sportbetrug will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seine Zusammenarbeit mit der Nada vertiefen, finanzielle Zuwendungen aber von erbrachten Leistungen abhängig machen. "Wir werden prüfen, inwieweit die Nada auch für unsere Dopingkontrollen - und das kann ja immer nur der Trainingsbereich sein - besser nutzbar gemacht werden kann", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger am Rande der Auftaktveranstaltung "DFB live" in Kamen-Kaiserau.

DFB: Verpflichtung gegenüber Sportvereinen

Wenn die Nada "uns gegenüber" entsprechende Leistungen erbringt, betonte Zwanziger, dann werde der DFB "Kosten deckend Gebühren oder Entgelte entrichten". Der Verband sei aber "nicht der Finanzier dieser Gesellschaft, sondern wir haben Sportvereine, denen wir verpflichtet sind", sagte Zwanziger im WDR-Hörfunk.

Laut Baumert sind Beweise für Doping schon in den vergangenen Monaten und Jahren überdeutlich sichtbar geworden. "Man muss keine Angst davor haben zu sagen, im Fußballsport wird weiterhin gedopt", betonte der Nada-Chef. Defizite habe der Fußball bei der Zahl der Trainingskontrollen. Der DFB verweise auf mehr als 800 Wettkampf-Kontrollen. Im vergangenen Jahr hätten aber vertragsgemäß nur 87 unangemeldete Trainingskontrollen durchgeführt werden können.

Mehr unangemeldete Kontrollen

Ziel sei es, meinte Baumert, bei einer besseren finanziellen Ausstattung der Nada gemeinsam mit dem DFB die Zahl der unangemeldeten Trainingskontrollen in allen Bereichen des deutschen Fußballs zu erhöhen.

Die jüngste Diskussion um Doping im Fußball hatte der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer ausgelöst. Er hatte behauptet, dass Doping mit Captagon im Profi-Fußball in den 80er Jahren gang und gäbe gewesen sei. Neururers "Enthüllungen" sind nicht neu: Schon vor 20 Jahren hatten Bundesliga-Spieler von der Einnahme von Captagon berichtet. Auch die Doping-Altlasten bei Ost-Clubs sind lange bekannt, komplette Teams sollen gedopt haben. Vor allem vor Europacup-Heimspielen sollen Amphetamine eingesetzt worden sein. (mit dpa)