Doping-Problematik : Holczer sieht schwarz für deutschen Radsport

Hans-Michael Holczer prophezeit dem deutschen Radsport wegen des jüngsten Dopingskandals eine düstere Zukunft. Bei Stefan Schumacher habe er die "kriminelle Energie" unterschätzt, sagt der Gerolsteiner-Teamchef.

Hans-Michael Holczer
Hans-Michael Holczer sieht schwarz für den deutschen Radsport. -dpa

StuttgartGerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer sieht nach den jüngsten Doping-Enthüllungen für den deutschen Radsport schwarz. "Der Radsport in Deutschland hat keine Chance", sagte Holczer am Sonntagabend in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten". Er selbst sei mit seiner "offenen Haltung gescheitert, an Stefan Schumacher gescheitert", erklärte der Rennstall-Inhaber.

Dem zweimaligen Tour-de-France-Etappensieger Schumacher war nachträglich in zwei A-Proben Doping mit dem EPO-Präparat CERA nachgewiesen worden. Schumacher indes bestreitet Doping. Holczer betonte zwar, er wolle noch die B-Proben abwarten, sagte aber: "Ich habe die kriminelle Energie unterschätzt."

Drohbrief des Sinkewitz Vaters

Zugleich warf Holczer im Streit mit dem geständigen Doping-Sünder Patrik Sinkewitz dem Vater des früheren Radprofis Erpressung und Nötigung vor. In der TV-Sendung zitierte der Gerolsteiner-Teamchef aus einem angeblichen Drohbrief. "Sollte mein Sohn wegen irgendwelcher fadenscheiniger Argumente bis Ende 2008 keinen neuen Vertrag bekommen, werde ich Ihnen Ihren Heiligenschein nehmen", heißt es in dem Schreiben.

Ex-T-Mobile-Fahrer Sinkewitz, der des Testosteron-Dopings überführt wurde und sich den Behörden als Kronzeuge zur Verfügung stellte, blieb mit seiner Suche nach einem neuen Arbeitgeber bislang erfolglos. In der Vergangenheit hatte Sinkewitz mehrfach Holczer attackiert. Der 27-Jährige warf dem Rennstall-Chef jüngst "Betriebsblindheit" vor, nachdem Stefan Schumacher unter Doping- Verdacht geraten war. (mbo/dpa)