Doping : Verbände auf dem Prüfstand

Das Innenministerium stellt im Anti-Doping-Kampf neben dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auch weitere Spitzenverbände auf den Prüfstand.

Berlin/FrankfurtDas Bundesinnenministerium (BMI) stellt im Anti-Doping-Kampf neben dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) auch weitere Spitzenverbände auf den Prüfstand. Kaum hatten Politiker einen Stopp der Steuergelder in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro für den Radsport gefordert, kündigte das BMI einen Besuch beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) an. "Wir haben morgen um zehn Uhr eine Task Force des BMI im Haus", teilte DLV-Generalsekretär Frank Hensel mit. Diese Maßnahme betreffe alle größeren Verbände.

Die Vertreter des BMI wollen sich nach Hensels Angaben in der Geschäftsstelle in Darmstadt an Hand von Unterlagen und bei Gesprächen informieren, wie die Zusammenarbeit mit der Nationalen (Nada) und Internationalen Anti-Doping-Agentur (Wada) läuft. Zudem wolle das Ministerium Einsicht in die Jahresplanungsunterlagen des Verbandes von 2002 und 2005 erhalten. Dabei gehe es unter anderem um DLV-Trainingslager, die mit öffentlichen Geldern bezahlt wurden.

BDR-Chef Rudolf Scharping, der sich demonstrativ vor seinen unter Doping-Verdacht geratenen Vize-Präsidenten Udo Sprenger stellte, bestätigte ein bevorstehendes Gespräch mit Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU). Über einen Termin habe man sich noch nicht geeinigt, sagte der ehemalige Verteidigungsminister, der zum Inhalt dieses Treffens keine Stellungnahme abgeben wollte. Bei dem Meeting werde auch über einen möglichen WM-Zuschuss für die Titelkämpfe im September in Stuttgart entschieden, bestätigte das BMI.

Danckert: Finanzielle Unterstützung nicht mehr vertretbar

Der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, Scharpings Parteifreund Peter Danckert, hält eine finanzielle Unterstützung des Profi-Radsports für nicht mehr vertretbar. Nach den Enthüllungen im ARD-Politikmagazin "Report Mainz", im ehemaligen Team Nürnberger sei Doping im Auftrag der Mannschaftsleitung unter Sprenger aktiv unterstützt worden, erklärte der SPD-Politiker, eine Grenze sei überschritten: "Ich will dem Sportausschuss nicht vorgreifen, aber meine persönliche Meinung ist, es ist nicht mehr zu verantworten, dem BDR und dem WM-Ok öffentliche Mittel zur Verfügung zu stellen".

Schäuble hatte vor knapp zwei Wochen erklärt, eine weitere finanzielle Förderung des Verbandes und der WM im September in Stuttgart werde nur erfolgen, wenn der BDR und der Weltverband UCI geeignete Maßnahmen gegen Doping ergriffen. In diese Richtung argumentierte auch DOSB-Generalsekretär Michael Vesper. "Der DOSB hat immer deutlich gemacht, dass eine öffentliche Förderung nur möglich ist, wenn ein glaubwürdiger Anti-Doping-Kampf gemacht wird. Natürlich sind wir über die immer neuen Vorwürfe besorgt", erklärte er der "Netzeitung".

Scharping hält zu Sprenger

Scharping stellte sich unterdessen erneut vor Sprenger. Der ehemalige Kriminalkommissar hat inzwischen Anzeige gegen unbekannt wegen falscher Eidesstattlicher Erklärung erstattet. "Ein anonymer Feigling hat einen unbescholtenen Kriminalbeamten beschuldigt. Gut, dass das jetzt in Händen der Staatsanwaltschaft liegt", sagte Scharping der dpa. Am Freitag will er mit dem Verbandspräsidium in Wiesbaden entscheiden, ob der Doping-geständige Erik Zabel zur WM darf.

Laut "Berliner Zeitung" bekommt der BDR rund 1,6 Millionen Euro aus Fördermitteln für Lehrgänge der Athleten und Trainingslager. Ein WM-Zuschuss über 150.000 Euro sei in Aussicht gestellt worden. Etwa 700.000 Euro seien für das Personal vorgesehen, das im Leistungssport arbeitet.

14 Länder gründen informelles Doping-Netzwerk

Die Anti-Doping-Organisationen in Europa wollen in Zukunft stärker zusammenarbeiten. Auf Initiative von BMI und Nada haben 14 Länder der Europäischen Union (EU) in Brüssel ein informelles Netzwerk gegründet, das den Austausch von Informationen und die gegenseitige praktische Hilfe verbessern soll. Zudem wurde ein Aufgabenkatalog verabschiedet, der unter anderem ein engeres Miteinander in den Bereichen Tests, Medizin, Forschung und Kooperation mit staatlichen Stellen vorsieht. Das Testsystem solle EU-weit optimiert werden, teilte die NADA auf ihrer Internetseite mit.

Vesper begrüßte die Brüsseler Beschlüsse. «Wir brauchen vor allem eine internationale Harmonisierung der Regeln. Es kann nicht sein, dass sich ein Sportler an vier verschiedenen Stellen abmelden muss, wenn er seinen Heimatort verlässt», sagte Vesper am Mittwoch. (mit dpa)