Doping-Vorwürfe : Schumacher zweifelt Befunde an - Staatsanwalt ermittelt

Der unter Dopingverdacht geratene Radprofi Stefan Schumacher bestreitet weiter, verbotene Substanzen genommen zu haben. Doch es wird eng für den 27-Jährigen: Sein Rennstall hat ihm gekündigt, die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt.

Schumacher
Mit dem Rücken zur Wand. Die Luft für den Ex-Gerolsteiner-Profi Schumacher wird eng. -Foto: ddp

StuttgartDer Anwalt von Stefan Schumacher hat die nachträglichen positiven Doping-Befunde des Radprofis angezweifelt. "Unter welchen Umständen und welche Blutproben drei Monate später im Labor in Chatenay-Malabry angeblich positiv auf Cera getestet worden sein sollen, ist nach den bisher vorliegenden Unterlagen völlig unklar", heißt es in einer Erklärung von Schumachers Rechtsbeistand Michael Lehner.  "Stefan selbst ist am Boden zerstört und hat sich erst einmal zurückgezogen", lässt Manager Heinz Betz wissen, der ebenfalls eine Stellungnahme herausgab.

Der belgische Quick-Step-Rennstall will den für 2009 geschlossenen Vertrag mit Schumacher unterdessen aufkündigen. "Ich betrachte ihn als null und nichtig", sagte Teamchef Patrick Lefevere der belgischen Zeitung "Gazet van Antwerpen". Er sehe "keinen Weg" für eine Zusammenarbeit mit dem 27-jährigen Nürtinger, der Doping bislang stets bestritten hat.

Scharping wünscht sich zweijährige Sperre

In die Affäre hat sich auch der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), Rudolf Scharping, eingeschaltet. Er forderte: "Mindestens zwei Jahre Sperre, außerdem eine Geldstrafe. Wir werden einen Schadensersatz prüfen, zum ersten Mal in der Geschichte des Profiradsports. Es ist ja nicht nur so, dass wir offenbar ohne Skrupel beschissen worden sind. Wo dieses Verhalten messbaren finanziellen Schaden verursacht, werden wir den einklagen," kündigte Scharping an. Über eine Kronzeugenregelung wie im Fall Sinkewitz könne nur nachgedacht werden, wenn Schumacher die Hintermänner offenlege, so der frühere SPD-Chef weiter.

Auch die Justiz beschäftigt sich mittlerweile mit dem "Fall Schumacher". So hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Betrugsverdachts eingeleitet. Bereits am Dienstag hätten Beamte das Privathaus des 27-Jährigen durchsucht und einige Beweismittel sichergestellt, erklärte eine Sprecherin des Gerichts und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Schumacher

Schumacher habe während der Durchsuchung keine Angaben gemacht, sich aber kooperativ gezeigt. Der Radprofi, der Doping bislang stets bestritten hat, werde im Rahmen des Ermittlungsverfahrens noch Gelegenheit für eine Stellungnahme erhalten. Ermittelt werde wegen des Verdachts der Täuschung seines bisherigen Arbeitgebers, des Gerolsteiner-Teams. Daher hatte die Staatsanwaltschaft auch Unterlagen von Teamchef Hans-Michael Holczer geprüft.

Die Aktion ausgelöst hatten Informationen der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD vom vergangenen Freitag, die über das Bundeskriminalamt (BKA) und das Landeskriminalamt (LKA) zur Stuttgarter Staatsanwaltschaft gelangten. In Nach-Tests zur diesjährigen Tour de France wurde Schumacher am 3. und 15. Juli in der A-Probe positiv auf Doping mit dem Epo-Präparat Cera getestet. (jvo/dpa/ddp)