Doping-Vorwurf : Martina Hingis positiv auf Kokain getestet

Die frühere Weltranglisten-Erste Martina Hingis steht unter Dopingverdacht und hat ihren Rücktritt vom Profitennis erklärt. Die Schweizerin wurde in Wimbledon offenbar positiv auf Kokain getestet. Hingis bestreitet die Vorwürfe.

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Tennistar Martina Hingis muss sich mit Doping-Vorwürfen herumschlagen. -Foto: ddp

Glattbrugg/SchweizAnfang 2006 hatte sie ihr Comeback im Tenniszirkus gegeben. In diesem Jahr litt Hingis unter Rücken- und zuletzt auch Hüftproblemen. Das hatte Spekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt angeheizt. In Wimbledon war die "Swiss Miss" in der dritten Runde gescheitert.

Während ihrer Glanzzeit Ende der 90er Jahre hatte Hingis die Konkurrenz dominiert, im Herbst 2002 wegen anhaltender Knöchel- und Fußprobleme aber den Schläger zur Seite gelegt. Nach dreijähriger Pause stieß sie von 2006 an bis auf Platz sechs der Weltrangliste vor. Große Titel blieben ihr jedoch versagt.

Zu Beginn des Jahres gelang ihr der Viertelfinal-Einzug bei den diesjährigen Australian Open, danach folgte der insgesamt 43. Einzel-Turniersieg Anfang Februar in Tokio. Anschließend waren sportliche Erfolge ausgeblieben. Hingis gewann seitdem nie mehr als zwei Spiele in Folge und bestritt ihr letztes Match am 19. September in Peking, wo sie in der zweiten Runde der Chinesin Peng Shuai unterlag.

Tragische Grand Slam-Figur

Hingis war im Oktober 1994 im Alter von nur 14 Jahren Profi geworden. Sie gewann fünf Grand-Slam-Titel, den letzten davon 1999 in Australien, wo sie 2002 auch ihr letztes Grand-Slam-Finale erreichte und nach vier vergebenen Matchbällen noch gegen Jennifer Capriati verlor. Tags zuvor hatte sie im Doppel mit Anna Kurnikowa den Doppel- Titel geholt. 1997 verhinderte nur die überraschende Finalniederlage bei den French Open gegen die Kroatin Iva Majoli den Grand Slam, den Gewinn der vier größten Turniere in einem Kalenderjahr. Tennis-Geschichte schrieb auch die legendäre Finalniederlage gegen Steffi Graf zwei Jahre später in Paris, wo Hingis der ersehnte Triumph damit verwehrt blieb.

2005 sorgte ein erster, verlorener Test gegen die Deutsche Marlene Weingärtner für Comeback-Gerüchte, beim Turnier im australischen Gold Coast kehrte Hingis zum Jahresbeginn 2006 endgültig zurück. An die ganz großen Erfolge konnte die Pferdeliebhaberin jedoch nicht mehr anknüpfen. Gegen die Athletik und Schlaghärte der Weltspitze um die Belgierin Justine Henin, die amerikanischen Williams-Schwestern oder Russlands Phalanx um Maria Scharapowa reichten Spielwitz und gewiefte Taktik nicht mehr aus. (mit dpa)