Der Tagesspiegel : Drachenflug: Doppel-Jubiläum für Flieger

Rainer W. During

Der Rekord wurde nicht registriert, niemand hatte mit ihm gerechnet: Am Fallschirm hängend hat der 37-jährige Jörg Maaß 188 Kilometern zurückgelegt, von Jüterbog bis in die Lüneburger Heide. Das ist eine neue deutsche Bestleistung. Doch weil die Dokumentation fehlt, wird sie nicht anerkannt. Sonst hätte Brandenburg zum zehnten Jubiläum des ersten Drachenflugs zwei Gründe, seine Segel-Erfolge zu feiern.

Im Juli 1991 betrat der Mediziner Claus Gerhard absolutes Neuland, als er sich mit drei Gleichgesinnten und seinem Hängegleiter in die Nähe des Militärflugplatzes "Altes Lager" bei Jüterbog aufmachte. Da zogen sich die Flieger mit einer Seilwinde in die Luft. Tags darauf, es war der 28. Juli 1991, wagte man sich weiter südlich zu dem von der Roten Armee geräumten Flugplatz Reinsdorf. Bis auf 2000 Meter Höhe brachte die Thermik den Drachen, mit dem Gerhard ein noch aktives, russisches Manövergelände nach bangen Minuten umsegelte. Dreieinhalb Stunden dauerte der Flug. Der erste Drachen-Streckenflug im Osten Deutschlands war geglückt.

Nach dem Abzug der russischen Armee haben sich die Drachen- und Gleitschirmflieger aus Berlin und Brandenburg auf dem Flugplatz Altes Lager etabliert und ein zweites Fluggelände bei Segeletz eröffnet. Vor ein paar Tagen war Jörg Maaß doppelt so lange in der Luft wie Claus Gerhard vor zehn Jahren. Dabei war er erst vor vier Jahren zur Fliegerei gekommen. Inzwischen folgt ihm seine Frau Marion in die Luft. Rund 2500 Mark kostet die Ausbildung. Die Ausrüstung mit Schirm und Gurtzeug ist ab etwa 6000 Mark zu haben, gebrauchtes Gerät kostet die Hälfte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar