Dreh-Pläne : Berliner Gegenwind für Tom Cruise

Hollywood-Star Tom Cruise soll für seinen Thriller über das gescheiterte Hitler-Attentat keine Drehgenehmigung im Berliner Bendlerblock erhalten.

Tom Cruise
Tom Cruise. -Foto: ddp

PotsdamHollywood-Star Tom Cruise (44) soll für seinen Thriller über das gescheiterte Hitler-Attentat keine Drehgenehmigung im Berliner Bendlerblock erhalten. Dies habe ihr Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) zugesichert, erklärte die Sektenexpertin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Antje Blumenthal. Der bekennende Scientologe Cruise will in dem Streifen den deutschen Widerstandskämpfer Claus Schenk Graf von Stauffenberg spielen, dessen Bombenanschlag auf Hitler am 20. Juli 1944 misslang. Stauffenbergs Sohn kritisierte das Film-Projekt, für das am 19. Juli die Dreharbeiten in Babelsberg beginnen sollen.

"Da kommt sicher nur Mist raus", sagte Berthold Schenk Graf von Stauffenberg der "Süddeutschen Zeitung". Auch sei es ihm "unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe" seinen Vater spiele, Cruise "soll seine Finger von meinem Vater lassen". Der Schauspieler hatte sich kürzlich nach Medienberichten bei einer Recherchetour auch den Bendlerblock angesehen. Eine Drehgenehmigung für "einen ranghohen Scientologen in einem Bundesgebäude" wäre einer bundespolitischen Anerkennung gleichgekommen, betonte Blumenthal. Ein Ministeriumssprecher sagte auf Anfrage, dass bislang kein Antrag der Produktion vorliege.

"Drama kommt immer vor Fakten"

Vom Bendlerblock aus plante Stauffenberg sein Attentat auf Hitler, heute ist dort der Sitz des Verteidigungsministeriums. Der Streifen mit Cruise hat den Arbeitstitel "Valkyrie" nach dem Namen der gescheiterten Verschwörung gegen Hitler, "Operation Walküre". Berthold Schenk Graf von Stauffenberg sieht keine Möglichkeit, das Projekt zu verhindern. "Selbst wenn ich nachträglich gegen den Film vorgehen würde..., dann bestünde doch die Gefahr, dass ich für so etwas auch noch Werbung mache." Zu bisherigen Filmen über das Hitler-Attentat meinte der älteste Sohn des Widerstandskämpfers: "Meine Erfahrung mit Spielfilmen ist: Drama kommt immer vor Fakten." Er befürchte, dass bei dem Cruise-Film "ein grauenvoller Kitsch rauskommt".

Von Studio Babelsberg ist nach wie vor nichts Näheres zu den geplanten Dreharbeiten zu erfahren. "Wir befinden uns weiter in Koproduktionsgesprächen", sagte eine Sprecherin in Potsdam. Ein deutscher Film über das Hitler-Attentat lief 2004 unter dem Titel "Stauffenberg" im Fernsehen. Unter der Regie von Jo Baier spielte Sebastian Koch ("Das Leben der Anderen") die Titelrolle. Stauffenberg war nach dem Anschlag auf Hitler ebenso wie viele seiner Mitwisser und Unterstützer hingerichtet worden. (mit dpa)