Der Tagesspiegel : Drei Mal Eins

Jan Schulz-Ojala

Clever, sensibel, kraftvoll, superkreativ – und manchmal ein bisschen laut: Fatih Akin ist ein Teufelskerl. Der 31-jährige deutsch-türkische Filmemacher hat aber auch allen Grund zum Lärmen. Denn ihm ist 2004 ein Erfolgs-Kunststück gelungen, das noch niemand schaffte und ihm so schnell keiner nachmachen wird: In einem Jahr hat er gleich drei wichtige Filmpreise mit seinem Liebesdrama „Gegen die Wand“ gewonnen. Im Februar erhielt er in Berlin den Goldenen Bär der Berlinale. Es folgten, übers Jahr verteilt, der Deutsche und zuletzt der Europäische Filmpreis. Ein Hattrick vom Feinsten? Ach was, einer vom Wildesten.

Die Geschichte der jungen Sibel (Sibel Kekilli), die raus will aus der Parallelgesellschaft ihrer türkischen Eltern, und die sich in Cahit (Birol Ünel) verliebt, einen, der es rausgeschafft hat, aber dabei dauernd draufzugehen droht – sie ist schon heute einer der großen melodramatischen Stoffe des Kinos. Zugleich erzählt Fatih Akin darin vom packendsten soziopolitischen Material unserer Zeit: von den Rissen in der Multikulti-Gesellschaft, vom Culture Clash, vom schmerzhaften Zusammenstoß der Lebensformen im Alltag der Migration.

Was Frankreich mit den arabischen Ländern, was England mit dem indischen Subkontinent verbindet und trennt – die Filme des geborenen Hamburgers machen es im Verhältnis zur Türkei deutlich: die Spannungssehnsucht und Sehnsuchtsspannung der Nachgeborenen zur Elternheimat, die sich allenfalls im Traum oder Alptraum erfüllt. Vom erst sechs Jahre zurückliegenden Erstling „kurz und schmerzlos“ über „Im Juli“ und „Solino“, wo er sein Thema fast nostalgisch in der Welt der italienischen „Gastarbeiter“ spiegelte, bis zu dem Wucht-Wurf „Gegen die Wand“: Immer geht Akin mit imponierendem Temperament zur Sache. Zu seiner Sache. Schon recht, seine Filme mögen nicht immer rund laufen – aber was, wenn auch die Wirklichkeit alles andere als rund läuft? Nur wer da laut wird, wird gehört. Älter werden kann Fatih Akin immer noch.

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