Dresden : "Wir bauen die Brücke"

Das Regierungspräsidium Dresden hat für den Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke die Zuschläge erteilt. Baubeginn ist möglicherweise bereits in einem Monat.

Diana Wild[ddp]

DresdenIn wenigen Wochen soll der Bau der umstrittenen Variante der Waldschlößchenbrücke durch das Unesco-geschützte Dresdner Elbtal beginnen. Das Regierungspräsidium Dresden hat die Zuschläge für den Brückenkörper und die linkselbische Anbindung in Höhe von 32 Millionen Euro erteilt. Das beauftragte Firmenkonsortium von vier Unternehmen aus dem Raum Dresden rechnet für den Brückenbau mit neuen Arbeitsplätzen im Großraum Dresden. Die Stadt fügt sich ihren juristischen Niederlagen und kündigte an, die Brücke zu bauen.

Baustart für die Zuschläge könnte nach Einschätzung eines Sprechers des Regierungspräsidiums in sechs bis acht Wochen sein. Jedoch sei möglicherweise bereits in einem Monat mit Beginn der ersten Arbeiten an einem Tunnel und einer Auffahrt zur Brücke zu rechnen. Die Zuschläge dafür seien bereits vor zwei Wochen erteilt worden.

Disziplinarverfahren gegen Bürgermeister erwogen

Die Erteilung des 32-Millionen-Euro-Auftrags war möglich geworden, nachdem das Oberverwaltungsgericht (OVG) Bautzen am Mittwoch eine Beschwerde der Stadt gegen die Bauvergabe zurückgewiesen hatte. Der Sprecher kritisierte, die Stadtverwaltung wolle bei der weiteren Entwicklung "keine Rolle spielen" und dem Regierungspräsidium das Handeln überlassen. Sollte die Stadt den Brückenbau künftig nicht unterstützen, erwäge das Regierungspräsidium ein Disziplinarverfahren gegen den Bürgermeister.

Die Stadt wies die Vorwürfe zurück. "Wir akzeptieren die Entscheidung des OVG selbstverständlich", sagte ein Sprecher. Die Stadt werde die Brücke bauen. Man sei lediglich der Ansicht gewesen, dass das Regierungspräsidium die selbst angeordnete Bauvergabe habe übernehmen sollen. Darüber hinaus sei es das gute Recht der Kommune gewesen, alle juristischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um einen Kompromiss zwischen dem Bürgerentscheid für die Brücke von 2005 und dem Erhalt des Weltkulturerbetitels zu erreichen.

Arbeitsplätze gegen Welterbe-Titel

Die beauftragten Unternehmen warten nun auf eine Einladung der Stadt. "Wir freuen uns", sagte der Geschäftsführer des in Dresden ansässigen Unternehmen Sächsische Bau GmbH, Erhardt Dams, der sein Angebot im November 2005 eingereicht hat. Es sei besonders erfreulich, dass der Zuschlag an ein Firmenkonsortium aus dem Raum Dresden erteilt worden sei und dadurch Arbeitsplätze in der Region geschaffen würden. Laut Dams sind einschließlich des Personals von Zulieferern mehrere hundert Arbeitskräfte für den Bau der Brücke nötig. Die Sächsische Bau GmbH hat die Federführung über das beauftragte Firmenkonsortium, an dem unter anderem Eurovia und Plambeck beteiligt sind.

Das Unesco-Welterbekomitee hatte Ende Juni beschlossen, das Dresdner Elbtal vorerst auf der Liste des gefährdeten Welterbes zu belassen. Bis 1. Oktober müssen aber Alternativvorschläge zum bisherigen Bauvorhaben vorliegen, andernfalls verliert das Elbtal seinen Welterbestatus.