Der Tagesspiegel : Drunter und drüber: Kein Geld für Tunnel am neuen Airport Die Kosten für Unterführung in Schönefeld sind zu hoch, aber die Alternativen führen direkt ins Verkehrschaos

Claus-Dieter Steyer

Schönefeld. Es wäre ein Novum auf deutschen Autobahnen: Ampeln und Schranken stoppen plötzlich den Verkehr, um ein Flugzeug vorbeizulassen. Die Autofahrer müssen zunächst den Start oder die Landung der Maschine abwarten. Erst danach können sie ihre Fahrt über die dann gesperrte Flughafenpiste fortsetzen.

Das höchst ungewöhnliche Szenarium hätte vielleicht wahr werden können. Entsprechende Überlegungen hat es für den Flughafen Schönefeld tatsächlich gegeben. Nicht ohne Grund: „Wir sitzen schließlich in der Zwickmühle“, sagt der Direktor des Brandenburgischen Autobahnamtes, Hans-Reinhard Reuter. „Sowohl von Berlin als auch vom Schönefelder Kreuz nähert sich die neue Autobahn dem Flughafen. Aber spätestens 2005 oder 2006 stoßen die Baufahrzeuge an einen großen Zaun, hinter dem es nicht weitergeht. Denn dort verläuft die nördliche Start- und Landebahn.“ Diese wird zwar nur bei Störungen auf der südlichen Piste benutzt, sie muss aber für Notfälle bereit stehen. Genau 450 Meter fehlen damit für eine durchgängige Autobahn vom Berliner Stadtring bis zum Schönefelder Kreuz und damit nach Dresden, Magdeburg und Frankfurt (Oder).

Ein Tunnel wäre natürlich die einfachste Lösung. Er stand auch lange Zeit in den Plänen des Brandenburger Verkehrsministeriums. „Doch angesichts der Kosten von 40 Millionen Euro müssen wir uns davon verabschieden“, erklärt Autobahnchef Reuter. „Es wird keinen Tunnel unter der nördlichen Start- und Landebahn geben. Also müssen wir nach anderen Möglichkeiten suchen, zumal der neue Großflughafen mit anderen Pisten wohl noch lange auf sich warten lassen wird.“

Da die Ampel- und Schrankenvariante mit großer Wahrscheinlichkeit nicht kommt, bleibt nur eine weiträumige Umfahrung des Nadelöhrs. Damit sind rund um Schönefeld erhebliche Behinderungen und Staus programmiert. Denn der Verkehr vom Berliner Stadtring muss zunächst auf die Bundesstraße 96 a bis zum Autobahndreieck Treptow geführt und dann auf die jetzt schon bestehende A 113 umgeleitet werden. Den gleichen Weg müssen die Autofahrer aus Richtung Süden nehmen, um den Stadtring zu erreichen. Hier treffen sie auf den Verkehr vom und zum Adlergestell (siehe Grafik).

Diese Verkehrsströme allein würden sicher noch nicht zum erwarteten großen Chaos zu bestimmten Zeiten führen. Aber ausgerechnet an der Anschlussstelle Berlin-Grünau / Waltersdorf, wo die direkte Weiterfahrt zum Stadtring wohl gesperrt wird, zieht ein riesiges Einkaufszentrum mit mehreren Möbelhäusern, einem Baumarkt und anderen Geschäften sowie einem Schnellrestaurant täglich Tausende Kunden an. Schon jetzt reicht die Kapazität der Fahrbahnen vor allem sonnabends kaum aus. Kilometerlange Staus sind die Folge.

Nicht besser sieht es auf der Bundesstraße 96 zwischen dem Knoten Schönefeld und dem Autobahndreieck Treptow aus. Ein großer Baumarkt an dieser Straße verzeichnet einen überaus regen Besuch. Viele Berliner Autofahrer nutzen diese Strecke auch für ihre Einkäufe im A-10-Center Wildau, eine Ausfahrt hinter dem Schönefelder Kreuz.

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