Der Tagesspiegel : Dubai macht Druck

Die Chipfabrik in Frankfurt (Oder) soll schnell realisiert werden. Der Technologievorsprung sei aber nicht gefährdet

Michael Mara

Potsdam. Nur einen Tag, nachdem Ministerpräsident Matthias Platzeck noch mal ordentlich für die Chipfabrik getrommelt hat, kommen von den Geldgebern aus den Emiraten ganz andere Töne: Dubai mahnt bei der Realisierung des Projekts Tempo an.

Dubais Regierungsbeauftragte für das Projekt, Mohammad Al Zarouni, sagte am Freitag in Potsdam, alle Beteiligten seien besorgt wegen der zeitlichen Verzögerungen: „Der Zeitrahmen bereitet uns Sorgen.“ Nach wie vor fehlen für den Bau des 1,3-Milliarden-Projekts – Dubai und der US-Konzern Intel sind Hauptgesellschafter – 650 Millionen Euro Fremdkapital. Laut Zarouni muss es „in den nächsten Wochen“ beschafft werden.

Dem Vernehmen nach fand am Donnerstag in Frankfurt/Main eine wichtige Verhandlungsrunde mit der Commerzbank statt, die gemeinsam mit der Gulf International Bank aus Bahrain das Fremdkapital beschaffen soll. Zarouni sprach von „guten Signalen“. Communicant-Vorstandschef Abbas Ourmazd wollte sich indes nicht konkret äußern. Mit den Banken sei Stillschweigen vereinbart worden. Der Vorstandschef gab zu, dass sich das Projekt in einer „schwierigen Phase“ befinde. Er befürchte, dass wegen der „negativen Debatte in der Öffentlichkeit die Verhandlungen mit Banken zäher als angenommnen ausfallen werden“. Auf einem anderen Gebiet sieht Ourmazd dagegen keine Probleme: Er bestreitet vehement, dass wegen der Zeitverzögerungen die Technologie, die vom Frankfurter Institut für Halbleiterphysik (IHP) entwickelt wird, veraltet sei: „Wir sind heute konkurrenzfähiger als vor zwei Jahren“, sagte Ourmazd. Die Technologie, die Chips leistungsfähiger macht, werde ständig weiterentwickelt. Dazu habe Communicant eine eigene Forschungsabteilung gegründet. Erst kürzlich habe Intel einen Chip präsentiert, in den die IHP-Technologie eingegangen sei. Das IHP und Intel hatten ihre Technologien – wie in dem komplizierten Vertragswerk vereinbart – ausgetauscht.

Ourmazd präsentierte am Freitag ein Gutachten des US-Hightech-Experten David Eaglesham, nach dem der Intel-Chip ein anderes Marktsegment bediene und keine Konkurrenzsituation gegeben sei. So seien die Produktionskosten bei Intel etwa zweimal so hoch wie bei Communicant. In letzter Zeit waren Vorwürfe laut geworden, dass die IHP-Technologie zum Nachteil des IHP und des Landes an Intel verscherbelt worden sei. Ourmazd sagte dazu, dass man als Gegenleistung Intel-Grundlagentechnologie zur Chipproduktion bekommen habe. Der US-Konzern habe damit erstmals in seiner Geschichte „seine Kronjuwelen“ einem Dritten übergeben. Jetzt gelte es, so Ourmazd, die Technologien des IHP und Intels miteinander zu verschmelzen, um die Produktionsreife zu erlangen – und „das drängt“.

Der zurzeit ruhende Bau der Chipfabrik soll laut Ourmazd im März 2003 fortgesetzt werden. Mit der Produktion soll zum Jahreswechsel 2004/05 begonnen werden.

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