Der Tagesspiegel : Durch Feuer und Flamme gegen den irren Professor Zweiholz

POTSDAM .Irgendwo auf dieser Erde, irgendwann in der Zukunft: Ein durchgedrehter Wissenschaftler bedroht die Welt.In einem altersschwachen Geo-Thermalwerk zapft der zwielichtige Professor Zweiholz den Erdkern an, um die in der Tiefe verborgenen Energien freizusetzen.Klar, daß das nicht gutgehen kann.Höchste Zeit für zwei Helden, die die Erde vor dem irren Wissenschaftler retten.Der verwegene Aussteiger Jack und die gutaussehende, aber sensationsgierige Reporterin Susan starten, um die Welt vor dem Untergang zu bewahren.

Der erloschene Krater, in dem der Professor die gefährlichen Experimente veranstaltet, steht mitten in Babelsberg.Bedrohlich dunkelrot erhebt sich der Vulkan auf dem Gelände des Filmparks, als neue Attraktion der Babelsberger Studiotour.Gestern die Premiere: 2000 Zuschauer erlebten den ersten Ausbruch.

Ein dumpfes Grollen kündet von der Gefahr: Rauch dringt aus dem Krater, brodelnde Geysire schießen plötzlich in die Höhe, Flammen züngeln drohend aus der Tiefe.Ein halbes Dutzend hünenhafter Bewacher patroullieren auf und ab.Vom Dach der Tribüne, mitten in die Zuschauer, seilen sich die Helden ab.Jack, der ehemalige Assistent des Professors, ist mit Susan zurückgekehrt, um der bösen Truppe das Handwerk zu legen.Natürlich ist auch die junge Journalistin keine Bürohockerin, sie ist durchtrainiert, in Kampfkleidung gehüllt und zu allem entschlossen."Ohne ein Foto werde ich nicht von hier verschwinden", ruft sie der Schlägertruppe zu, um dann gleich zu beweisen, daß sie - natürlich - auch eine exzellente Karatekämpferin ist.In der folgenden halben Stunde zeigt die Stuntcrew Babelsberg ihr Können: Stuntfrauen und -männer fallen von meterhohen Türmen, rennen lodernd durch die Arena, liefern sich wilde Verfolgungsjagden.Mit Flammenwerfern, die meterlange Feuerstöße abgeben, werden die beiden Helden gehetzt.Nach spannendem Hin und Her siegt das Gute, die muskelbepackten Bösewichte liegen am Boden.Dann plötzlich: dichte Rauchschwaden ziehen auf, sogar das Wasser brennt, eine Feuerwand schießt aus dem Boden hervor - der Vulkan bricht aus.Zum Finale dürfen die Pyrotechniker mit ihren Spezialeffekten noch einmal zeigen, was sie können.

Der Stoff, aus dem die Träume der Stuntcrew sind, entstand beim Bier: Friedhelm Schatz, Geschäftsführer der Studiotour, saß mit Studiodirektor Volker Schlöndorff zusammen, als sie beschlossen: "Wir brauchen etwas Neues." Auf eine Serviette kritzelte Schatz an jenem Abend die ersten Entwürfe für die Vulkan-Show.Daraus entstand das aufwendigste Projekt seit der Gründung des Filmparks 1993.Sieben Millionen Mark wurden investiert, "um auf die alte Stuntshow nochmal einen draufzusetzen", sagt Schatz.In fünf Jahren hatten zwei Millionen Zuschauer "Final Countdown" gesehen.Für den Vulkan wurden 15 000 Kubikmeter Erde aufgeschüttet und mit 120 Tonnen Lava aus der Eifel verkleidet.

Die gestrige Premiere nutzten die Babelsberger Studios, um ihre deutsch-australische Co-Produktion "Error 2000" zu promoten.Der Fernsehfilm, in dem ein Computer-Terrorist die Welt am letzten Tag des Jahrtausends untergehen lassen will, wird passend zum Ende des Jahres ausgestrahlt.Und so wehte wieder einmal ein bißchen Star-Flair durch Babelsberg.Gudrun Landgrebe, Jürgen Prochnow und James-Bond-Gegenspieler Götz Otto seien "in der Mittagspause kurz vom Studiodreh herübergekommen", freute sich Volker Schlöndorff.

Mit im Publikum saßen auch zwei Männer, die eigentlich auch auf der Bühne hätten stehen sollen: die Stuntmänner Heiko Kiesow und Paul Röll.Beide hatten sich bei den Proben zur Show verletzt, die Premiere war kurzfristig abgesagt und auf gestern verschoben worden.Kiesow hatte bei einem Stunt Verbrennungen am rechten Arm und am Hals erlitten, Röll hatte sich eine schwere Rückenprellung zugezogen.Beiden geht es "mittlerweile wieder blendend".

Kiesow und Röll waren für die Hauptrolle des Jack vorgesehen, diesen Part übernahm nun Vladimir Vilanov.Der 30jährige Russe mußte die Stunts innerhalb einer Woche einstudieren.Die Rolle der Susan spielt Stuntfrau Angie Rau.Die 25jährige Berlinerin ist seit fünf Jahren in Babelsberg dabei.Als eine der wenigen Stuntfrauen in Deutschland ist sie in der Filmbranche sehr gefragt.Sie doubelte unter anderem Katja Riemann und Veronika Ferres, in Babelsberg ist sie bis Ende Oktober fast täglich zu sehen.PETER COHRS

0 Kommentare

Neuester Kommentar