Der Tagesspiegel : Dynamo kommt, Cottbus rotiert, Polizei muss sichern Hitzige Stimmung vorm Fußball-Duell im Osten Mehr als 1000 Beamte im Einsatz gegen Gewalttäter

Sandra Dassler,Karsten Doneck

Cottbus – Die Polizei wird heute in Cottbus nicht zu übersehen sein. „Wir legen einen äußeren Ring um die Stadt und einen inneren um das Stadion der Freundschaft“, sagt Peter Salender, Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt (Oder). Es geht um ein Fußballspiel in der Zweiten Liga – vielleicht sogar um das brisanteste seit Jahren. Energie Cottbus empfängt Dynamo Dresden. Mehr als 1000 Polizisten werden im Einsatz sein, darunter auch Hundertschaften aus Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Seit Wochen bekriegen sich die Fans via Internet mit Sprüchen wie „Lieber tot als weiß-rot“ – so schmähen die Dynamo- Fans die Farben des FC Energie. Dabei bemühen sich die Vereine verzweifelt, die Emotionen zu dämpfen.

So lange die DDR existierte, hat Energie Cottbus nicht gegen Dynamo Dresden gewinnen können. Der einzige Sieg gelang Energie erst Mitte der 90er Jahre – kurz vor dem Aufstieg in den Profi-Fußball. Dass der einst verlachte Klub aus der Lausitz dies mit dem Dresdner Trainer Eduard Geyer schaffte, ärgert viele Dynamo-Fans noch heute.

Nun ist Dresden nach vielen Jahren wieder ins Profigeschäft zurückgekehrt. Endlich müssen die Fans mit ihrem Klub nicht mehr über die Dörfer tingeln, sondern können wieder in größere Städten reisen. Für das Spiel in Cottbus war schnell klar, dass es eine große Nachfrage nach Karten geben würde – von beiden Fangruppen. 22500 Zuschauer fasst das Stadion der Freundschaft, zehn Prozent der Tickets stehen laut Liga-Regeln den Gästen zu. Um den Dresdnern guten Willen zu zeigen, ließ Cottbus den Gästeblock erweitern und schickte 2800 Karten an Dynamo. Im Vorverkauf wurden 18 000 Tickets abgesetzt, das Stadion ist also nicht ausverkauft. Doch aus Sicherheitsgründen werden die Kassen nicht geöffnet.

Dresdens Anhang fiel in der Vergangenheit unangenehm auf. Im vergangenen Jahr wurden Busse der Gästefans attackiert, ein Anhänger aus Chemnitz lag nach einem Steinwurf einige Zeit im Koma. Der Ruf der Dynamo-Fans ist seit 1991 ramponiert. Da musste das Europapokal-Spiel gegen Roter Stern Belgrad im Rudolf-Harbig-Stadion abgebrochen werden, nachdem in der 78. Minute, beim Stand von 1:2, Steine, Raketen und sogar Müllkübel aufs Spielfeld geflogen waren. Dynamo wurde für zwei Jahre von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.

Das Dresdner Fanprojekt verschließt die Augen nicht vor den Problemen. Auf der Homepage wird die rhetorische Frage aufgeworfen: „Wie sieht der Rest von Deutschland Dynamo und seine Fans?“ Die selbst gegebene Antwort klingt wenig schmeichelhaft: „Rowdys, Hooligans, Kriminelle, Randalierer.“

Neben den Polizisten sollen heute Abend mehr als 500 Ordner beider Vereine für Ruhe sorgen. Denn auch die Cottbuser Fanszene gilt als gewaltbereit. „Wir werden Vorkontrollen durchführen“, kündigt die Polizei an. Wer ohne Eintrittskarte erscheint, wird zurückgeschickt. Auch die Klub-Verantwortlichen stellten sich trotz mancher Seitenhiebe letztlich ihrer gemeinsamen Verantwortung. „Wenn das in Cottbus in Gewalt ausartet, wenn die paar Ostvereine in der Zweiten Liga gleich zu Saisonbeginn durch Gewaltorgien auffallen, dann schaden wir uns selbst enorm“, sagt Volkmar Köster. Er ist Geschäftsführer von Dynamo Dresden, lebt aber in Brandenburg. Und auch Eduard Geyer, der Cottbuser Trainer, appelliert an die Vernunft: Das Spiel könne „Werbung für den Ostfußball“ sein, sagt er. „Wenn alles friedlich bleibt.“

Energie Cottbus - Dynamo Dresden, live im DSF, Spielbeginn 20.15 Uhr

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