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Eberswalde : Ertrunkenes Kleinkind wird obduziert

Der Leichnam der verstorbenen Zweijährigen wird obduziert. Die Stadt plant nach dem Unglück Konsequenzen für die Kitas. Die Ermittlungen gegen die Erzieherinnen gehen weiter. Eberswalde trauert um das Mädchen.

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Foto: dapd

EberswaldeDer Leichnam des nach einem Sturz in eiskaltes Wasser verstorbenen zweijährigen Kindes aus Eberswalde wird obduziert. Damit soll die genaue Todesursache festgestellt werden, sagte Oberstaatsanwalt Thomas Meyer am Dienstag in Eberswalde auf Anfrage. Untersuchungsergebnisse seien nicht vor Anfang kommender Woche zu erwarten.

Unklar ist, wann die Erzieherinnen das Fehlen der beiden Mädchen bemerkt haben. Gerüchten zufolge, die von der Staatsanwaltschaft weder bestätigt noch verneint werden, soll das erst nach der Rückkehr in die Kita geschehen sein. Die Unglücksstelle befindet sich rund 200 Meter vom Gebäude entfernt. Die Staatsanwaltschaft steckt nach eigenen Angaben noch voll in den Ermittlungen und die beteiligten Erzieherinnen sind nicht erreichbar. Sie besitzen eine offizielle Krankschreibung. Die Frau sei bisher nicht vernommen worden, sagte Meyer. Sie lasse sich anwaltlich vertreten. Ihr Anwalt habe Akteneinsicht beantragt. Es sei davon auszugehen, dass sie sich bis dahin nicht äußern werde. Als Beschuldigte habe sie generell ein Schweigerecht.

Jetzt sollen die Zeugen nochmals befragt werden, um den genauen Tathergang zu rekonstruieren, heißt es weiter. Geklärt werden solle insbesondere, wie die zwei Kinder offensichtlich unbemerkt die Gruppe verlassen konnten. Das könne allerdings dauern, weil alle in Betracht kommenden Zeugen laut Presseberichten erkrankt seien oder psychologisch betreut würden.

Kerzen, Blumen, Zeichnungen, Karten und unzählige Tränen in den Augen trauernder Menschen bestimmten am Montagabend das Bild auf dem Markplatz von Eberswalde. Damit gedachten die Einwohner der zweijährigen Lilly, die am Mittwoch vorvergangener Woche während eines Spaziergangs mit ihrer Kita-Gruppe ins Eis eingebrochen war und dieses Unglück nicht überlebt hatte. Ihr ganzes Mitgefühl gehörte den Eltern aus dem Ortsteil Finow und anderen Angehörigen. Bürgermeister Friedhelm Boginski hatte bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes am vergangenen Freitag zur Hilfe für die Hinterbliebenen aufgerufen. „Wir alle haben gemeinsam mit unzähligen Menschen in unserer Stadt und aus ganz Deutschland gehofft und gebangt – leider vergebens“, sagte Boginski. „Wir müssen jetzt alle dichter zusammenrücken, nah beieinander stehen, um gemeinsam zu trauern und das schreckliche Ereignis zu verarbeiten.“

Das Unglück hatte in ganz Brandenburg und darüber hinaus Bestürzung und große Anteilnahme ausgelöst. Die Stadt will der Familie bei der Vorbereitung der Beerdigung helfen und Kosten für die Bestattung übernehmen. Diesem Vorschlag des Bürgermeisters hatten alle Fraktionen des Stadtparlaments zugestimmt. Im Januar soll der tragische Unglücksfall noch einmal Thema in der Stadtverordnetenversammlung sein, um Konsequenzen für alle Kindertagesstätten zu ziehen. Wie berichtet, hatten die Ärzte des Berliner Virchow-Klinikums letzten Mittwoch den Hirntod bei Lilly festgestellt. Nachdem mehrere unabhängige Gutachter den Befund bestätigt hatten, war die Herz-Lungen-Maschine abgestellt worden.

Immer noch ungeklärt sind die Umstände des Unglücks. Fest steht nur, dass sich am 8. Dezember zwei Gruppen der Kita „Kunterbunt“ zu einem Ausflug in die Umgebung aufgemacht hatten. Die insgesamt 26 Kinder wurden von zwei Gruppenerzieherinnen, einer Aushilfskraft und zwei Praktikantinnen begleitet. Lilly und ihre gleichaltrige Freundin Liz gerieten offenbar unbemerkt auf das dünne Eis einer ehemaligen Tongrube. Während sich Liz noch am Ufer festhalten konnte, geriet Lilly unter Wasser. Nach der Entdeckung des Unfalls verständigten die Erzieher sofort den Notarzt. Liz kam mit einer leichten Unterkühlung davon, doch Lilly musste ins Berliner Herzzentrum geflogen und dort in ein künstliches Koma versetzt werden. Daraus wachte das Mädchen nicht mehr auf.

Das zweite verunglückte Mädchen konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen. Es befindet sich wohlbehalten wieder zu Hause. In der betroffenen Kita geht der normale Betrieb weiter. (mit dapd)

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