Edeka : Expansionsgelüste und Ärger mit dem Kartellamt

Während die Edeka-Gruppe davon berichtete, dass sie ihren Expansionskurs fortsetzen will, durchsuchten Beamte des Bundeskartellamtes die Zentrale in Hamburg.

HamburgDer Vorwurf: Der größte Lebensmittelhändler Deutschlands soll im Zuge der Übernahme der Plus-Kette ungerechtfertigt "Hochzeitsrabatte" von Lieferanten gefordert haben. Damit hätte der Händler seine Nachfragemacht missbraucht und gegen Kartellrecht verstoßen. Die Beamten suchten nach Beweismitteln. Edeka erklärte, dem Amt seien alle erforderlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt worden. Inhaltlich wollte das Unternehmen nicht zu den Vorwürfen Stellung nehmen, sondern den Sachverhalt zunächst prüfen.

Abgesehen davon setzt das Unternehmen seinen Expansionskurs fort. Nach der Übernahme der Discount-Kette Plus werde die genossenschaftliche Gruppe in den nächsten drei Jahren 1450 neue Märkte eröffnen, kündigte Vorstandschef Markus Mosa an. Davon entfallen 850 Märkte auf die Discount-Schiene Netto und 600 auf Edeka. Die Investitionen von 1,2 Milliarden Euro in diesem Jahr würden aus den laufenden Einnahmen finanziert. Der bisherige Verlauf des Jahres zeige, dass die Umsätze in allen Bereichen der Gruppe weiter gestiegen seien, auch auf vergleichbarer Fläche.

Im vergangenen Jahr erreicht die Edeka-Gruppe insgesamt einen Umsatzanstieg von 2,3 Prozent auf 36,6 Milliarden Euro; im Kerngeschäft Lebensmittelhandel waren es 4,9 Prozent auf 32,0 Milliarden Euro. Nach der Plus-Übernahme erreicht Edeka einen Marktanteil von 27,7 Prozent in Deutschland und will mit dem Expansionsprogramm die 30-Prozent-Marke erreichen. Bei einer gleichbleibenden Rendite von 3,6 Prozent erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen um 2,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Durch die Expansion will Edeka allein im laufenden Jahr 8000 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Gruppe beschäftigt in 12.000 Märkten rund
280.000 Menschen. Im Discount-Segment ist Netto hinter Aldi und Lidl die Nummer drei. Die übernommenen Plus-Märkte werden bis auf 500
Standorte in den kommenden Monaten auf Netto umgerüstet und damit mehr Markenprodukte führen. (sp/dpa)