Der Tagesspiegel : Edelfedern aus der Prignitz für die ganze Welt

Die Firma Cleo Skribent schreibt seit dem Mauerfall eine Erfolgsgeschichte Heute fertigen in Bad Wilsnack rund 100 Menschen feinste Füller und Stifte

George Russew

Bad Wilsnack - Die Prignitz ist vor allem für ihre Natur bekannt, vielleicht noch für die Elblandfestspiele in Wittenberge. Industriell aber scheint der Landstrich im Nordwesten Brandenburgs Brachland zu sein. Dabei stehen in Bad Wilsnack Werkshallen, in denen absolute Topprodukte gefertigt werden: Die Firma Cleo Skribent produziert Edelschreibgeräte für den deutschen und internationalen Markt.

Nach der Gründung im September 1945 stellten sechs Mitarbeiter zunächst einfache Füller her. Später produzierten die Bad Wilsnacker die einzigen Tuschefedern der DDR, mit denen im ganzen Ostblock technische Zeichnungen erstellt wurden. Nach Wende und Privatisierung wandelte sich Cleo zu einem Hersteller edler Schreibgeräte – „Linea Arte“ etwa, ein Füllfederhalter aus Sterlingsilber für knapp 300 Euro. „Der Weg war für uns nicht immer einfach“, sagt Cleo-Geschäftsführer Manfred Gau. „Der Maschinenpark wurde modernisiert, die Produktion grundlegend umgestellt. Was wir aber nicht gemacht haben, ist, unsere Mitarbeiter zu entlassen. Wir haben stattdessen kräftig eingestellt und den Handarbeitssektor weiter ausgedehnt.“ 105 Menschen arbeiten jetzt in dem Unternehmen, das gerade 60-jähriges Jubiläum feierte. Fast nebenbei erzählt der gebürtige Düsseldorfer, dass sich sein Betrieb vom reinen Zulieferer zu einer Firma mit eigener Produktlinie entwickelt hat. „Wenn zu uns ein Scheich aus Dubai käme und einen Füller aus purem Gold mit Diamanten besetzt haben will, sind wir in der Lage, seine Wünsche absolut zu erfüllen. Wir können fast alles“, sagt der Geschäftsführer.

Fußballfan Manfred Gau vergleicht seine Firma mit der Bundesliga: An Bayern München reiche Cleo noch nicht heran, aber mit Werder Bremen oder dem HSV könne das Unternehmen locker mithalten. Der Firmenname signalisiert den Anspruch: „Cleo“ ist an den Namen der ägyptischen Königin Kleopatra angelehnt. „In Ägypten wurde die Schrift erfunden. In Bad Wilsnack helfen wir edlen Schreibgeräten aus Gold, Sterlingsilber und Platin auf die Welt“, sagt Manfred Gau und fängt an zu lachen. „Na ja, ganz so vermessen will ich nicht sein.“

Der Spaß hört für den 60-Jährigen aber auf, wenn er im Fernsehen Politiker mit Billigschreibern Verträge unterzeichnen sieht. „Der einzige Volksvertreter, der in Sachen Füller Stil hatte, war Ex-Außenminister Joschka Fischer. Auch wenn er keinen Füller aus unserer Produktion benutzt hat, können sich die anderen ein Beispiel an ihm nehmen.“

In den nächsten Tagen wird das Unternehmen weiter wachsen. „Weil wir die Arbeit nicht mehr schaffen, muss die Verwaltung ausgelagert werden“, sagt Gau. „Aber keine Angst: Wir mieten nur ein Gebäude 100 Meter von hier entfernt an.“ Hinzu komme die Vorbereitung auf Amerika: „Wir wollen unsere Produkte auf einer New Yorker Messe im Mai präsentieren“, erzählt der Chef. Er verspricht sich sehr viel davon: „Unsere Produkte erfüllen die höchsten Qualitätsstandards. Die Amerikaner sind sehr verwöhnt – und deshalb passen wir gut dahin.“ Wenn Cleo den Sprung nach Amerika schafft, kann sich die Firma aus dem Brandenburger Nordwestzipfel endgültig einen Global Player nennen. Denn Australien, Europa und Asien haben die Bad Wilsnacker schon erobert.

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