Der Tagesspiegel : Ehrenamtliche Naturwächter gesucht

In Brandenburgs Schutzgebieten können sich Freiwillige für Biber und Orchideenwiesen engagieren

Thorsten Metzner

Potsdam. Eine bundesweite Premiere: Brandenburg sucht ehrenamtliche Naturschützer nach dem Vorbild der Ranger in amerikanischen Nationalparks. Umweltminister Wolfgang Birthler (SPD) startete am Montag in Potsdam den Aufruf für ein groß angelegtes Freiwilligen-Programm. Rund 250 ehrenamtliche Ranger sollen noch in diesem Sommer die Arbeit der staatlichen Naturwächter in den Großschutzgebieten des Landes unterstützen. „Wir hoffen auf eine gute Resonanz“, sagt Jan Brockmann, der Chef der Brandenburger Naturwacht. Nach bisherigen Erfahrungen sei besonders das Interesse von naturinteressierten Berlinern groß.

Für die neuen Freizeit-Jobs im Naturschutz gibt es richtige Stellenausschreibungen. So sucht der Naturpark Nuthe-Nieplitz bei Potsdam „Biotop-Pfleger“ und „Naturführer“. Das Biosphärenreservat Schorfheide freut sich auf die Unterstützung von „Amphibien-Lotsen“, „Biber-Rangern“ und „Kranich-Rangern“, die bei der Beobachtung von Kranichen, beim Zählen und Ablesen von Beringungen helfen. Und der Naturpark Barnim nördlich Berlins sucht Helfer zur Pflege von Orchideenwiesen und Naturlehrpfaden.

Mit dem Freiwilligen-Programm soll auch auf den Personalabbau bei der staatlichen Naturwacht reagiert werden, die Brandenburg 1991 unter dem damaligen Umweltminister Matthias Platzeck (SPD) eingeführt hatte. Doch inzwischen ist der Rotstift spürbar: 2001 gab es noch 132 staatliche Öko-Ranger, Ende 2003 waren es noch 119, 2007 sollen es nur noch 98 sein. Zwar bezeichnete Birthler die Naturwacht als „gesichert“. Doch drängt vor allem die CDU auf weiteren „Abbau der Naturschutz-Bürokratie“.

„Brandenburg war einmal deutschlandweit Spitze im Naturschutz. Das ist es nicht mehr“, kritisierte der frühere Landesumweltminister Eberhard Henne, heute Vorsitzender von Europarc Deutschland. Die Dachorganisation der deutschen Naturparks hat das Freiwilligen-Projekt entwickelt. Brandenburgs staatliche Naturschützer, die in den Schutzgebieten patroullieren, deckten im Vorjahr 2546 Verstöße auf, 2002 waren es 2477. Vor allem die illegale Ablagerung von Müll und Bauschutt habe erheblich zugenommen, sagte Naturwacht-Chef Brockmann.

Weitere Informationen zu den „Freiwilligen Rangern“ unter Tel. (0331) 9716476 oder im Internet: www.naturwacht.de

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