Der Tagesspiegel : Ein bisschen Spaß muss sein

Die etwas anderen Freizeitfahrzeuge für PS-Freunde – Quads sind eine Mischung aus Motorrad, Geländewagen und Gokart

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Mit Karacho durchs Gelände. Die Mischung aus Motorrad und Auto war lange nur in den USA populär, mittlerweile erfreut sich das...

Klimasorgen hin, Konjunkturkrise her – nicht jeder Fahrer sieht das Auto oder Motorrad nur als nüchternes Mittel für den Transport von A nach B. Nach wie vor nehmen viele Menschen den Begriff Fahrspaß wörtlich und sehen in ihrem Fahrzeug ein technisches Spielzeug für die schönen Stunden des Lebens. Deshalb haben die Hersteller auch weitgehend sinnfreie Fahrzeuge im Programm, die einen hohen Spaßfaktor bieten, weil sie nur für schnelles Fahren und rasante Kurven gebaut wurden.

Zwar sind die Stückzahlen in der Regel gering. Doch verfolgen viele Experten diese Entwicklung dennoch mit wachsender Sorge. Denn vielfach ist das Fahrverhalten solcher Spaßfahrzeuge so ungewöhnlich im Vergleich zu gewöhnlichen Fahrzeugen, dass der Umstieg auf diese speziellen Gefährte gewisse Risiken birgt, warnt etwa Hans Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS aus Losheim am See im Saarland.

Zu den preiswertesten Spaßfahrzeugen zählen die sogenannten Quads und ATVs. Diese sehr eigenwillige Mischung aus Geländewagen, Motorrad und Gokart ist vor allem bei Abenteurern in Nordamerika beliebt, kommt aber auch in Deutschland immer öfter zum Einsatz.

Mittlerweile sieht man die kleinen Kraftpakete mit dem auffälligen Freisitz nicht nur in der Landwirtschaft oder in Kiesgruben, sondern sogar auch ganz regulär auf der Straße. Die Zulassungszahl der Quads sei 2008 um 1,5 Prozent auf knapp 25 000 Fahrzeuge gestiegen, sagt Rolf Wassmer von Suzuki in Bensheim. Hier reicht die angebotene Modellpalette vom Kinderquad mit 50-Kubikzentimeter-Motor bis zum großen Kraftpaket mit 750 Kubikzentimetern Hubraum. Die Preise beginnen bei gut 7000 Euro, die Grenzen nach oben sind naturgemäß weit höher.

Noch unkonventioneller als ein Quad ist der Can Am Spyder von Bombardier, der zu Preisen ab gut 17 000 Euro verkauft wird: Konstruiert wie ein umgekehrtes Trike, hat er vorne zwei Räder und hinten nur eines. Firmensprecherin Anne Klausmann aus Solingen sagt: „Mit dieser markanten Y-Architektur kombiniert der Spyder Roadster das Open-Air-Fahrerlebnis eines Motorrads mit den technischen Sicherheitsfeatures eines sportlichen Cabrios – und kann dabei mit herkömmlichem Pkw-Führerschein gefahren werden.“ Ein elektronisches Schutzsystem solle zudem die Fahrstabilität garantieren, erklärt Klausmann.

In Fahrt bringt den Can Am Spyder ein Zweizylinder mit einem Liter Hubraum und 79 kW/106 PS. Er beschleunigt das Gefährt wie einen Sportwagen: Von null auf 100 Stundenkilometer braucht er nur ganze 4,7 Sekunden. Nach einem ganz ähnlichen Prinzip konstruiert worden sind die Dreiräder des kanadischen Herstellers Campagna, die aber nebeneinander Platz für zwei Personen bieten und sogar bis zu 145 kW/197 PS haben.

Ebenfalls an der Nahtstelle zwischen Motorrad und Auto steht der KTM X-Bow, der auf den ersten Blick an ein Kart mit Straßenzulassung erinnert und seit der Markteinführung im Sommer 2008 rund 500 Mal verkauft wurde. Nach Angaben des Herstellers aus Graz in Österreich wird das rund 60 000 Euro teure Basisfahrzeug von einem bei Audi eingekauften Turbo-Direkteinspritzer angetrieben. Er leistet 177 kW/240 PS und hängt mit einem Sprintwert von 3,9 Sekunden jeden Sportwagen ab.

Dennoch soll der Verbrauch wegen des geringen Gewichts von nicht einmal 800 Kilogramm mit 7,9 Litern (CO2-Ausstoß: 188 g/km) auf dem Niveau eines Kleinwagens liegen.

Noch ein bisschen Flugzeug kommt ins Spiel beim Carver One, der zu Preisen ab rund 59 000 Euro angeboten wird. Der 3,40 Meter lange Zweisitzer wird von einem Vierzylinder mit 50 kW/68 PS angetrieben, der das 670 Kilogramm leichte Fahrzeug in 8,2 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt und maximal 185 km/h erreicht. Eine Besonderheit dieses Fahrzeugs ist eine hydraulische Steuerung, die abhängig von der Geschwindigkeit immer die ideale Seitenneigung der Karosserie einstellen soll.

Außerdem bringt sie das Vorderrad so weit in Schräglage, dass die Fliehkraft optimal ausbalanciert wird. So „fliegt man über die Straße und carvt wie auf Skiern durch die Kurve“, erläutert Regionalleiter Harry Stüdemann aus dem nordrhein-westfälischen Grefrath.

Diese Nische bedienen inzwischen auch die Fahrzeughersteller selbst. Deshalb gibt es mittlerweile eine ganze Reihe Sportwagen, die frei von jeder Alltagstauglichkeit sind: Die Liste beginnt bei den Nachbauten des Super Seven und führt über den im vergangenen Jahr eingeführten Puristen-Roadster Lotus Elise bis hin zum Mercedes SLR 722 Stirling Moss, der nicht mal eine Frontscheibe hat. Obwohl er mit einem Grundpreis von knapp 900 000 Euro zu den teuersten Spielzeugen für PS-Narren zählt, sind die 75 Exemplare der limitierten Kleinserie nach Angaben des Herstellers bereits weitgehend verkauft.

So viel Spaß solche Vehikel auch machen – man sollte behutsam mit ihnen starten. „Solche Fahrzeuge sind von der Bauart meist meilenweit von einem normalen Serienfahrzeug entfernt“, erklärt KÜS-Experte Marmit.

Extreme Beschleunigung und brutale Bremsverzögerungen ließen die Nähe zum Motorsport ahnen. „Sich einfach drauf- oder reinsetzen und losglühen – das funktioniert nur bei sehr geübten Fahrern.“ dpa

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