Der Tagesspiegel : Ein Land feiert sich in der Rosenstadt

Zehntausende Besucher kamen zum Brandenburg-Tag nach Forst

Claus-Dieter Steyer

Forst – Einmal im Jahr scheinen die Brandenburger ihre Alltagssorgen zu vergessen. Dann feiern sie sich selbst: Mit Pauken, Trompeten, Ansprachen, Märkten für Künstler, Handwerker und Tourismusverbände, Bühnenprogrammen aller Art, Spektakel für Kinder, Rummel und natürlich Feuerwerk. Das ist das typische Programm für den seit 1995 jährlich stattfindenden Brandenburg-Tag, nur 1997 war er aus Kostengründen ausgefallen. Das wäre heute den vielen Verbänden, Vereinen, Sponsoren und vor allem den vielen Besuchern gar nicht mehr zu vermitteln. Sie brauchen diesen einen Tag zum Präsentieren, Austauschen und wohl auch zum Vergessen der alltäglichen Probleme. Nach Forst an der Neiße, wo das Brandenburgfest gestern seine zehnte Auflage erlebte, strömten schon am Morgen zehntausende Neugierige.

Trotz der Randlage dieser vom Niedergang der ostdeutschen Textilindustrie besonders betroffenen Stadt rechneten die Organisatoren mit insgesamt 200 000 Gästen. Dabei zählt Forst nur knapp 23 000 Einwohner. Seit der Wiedervereinigung kehrten ihr rund 4000 Personen auf der Suche nach Arbeit den Rücken. Erstaunlich häufig war polnisches Stimmengewirr zu hören.

Viele Menschen vom anderen Ufer der Neiße und Oder waren der offiziellen Einladung der Brandenburger Landesregierung gefolgt und fühlten sich in Forst sichtlich wohl. Während es um die Beziehungen zwischen beiden Ländern auf höchster Ebene selbst nach den Worten von Ministerpräsident Matthias Platzeck derzeit nicht zum Besten bestellt ist, klappte die Verständigung in den vielen kleinen Biergärten erstaunlich reibungslos. „Wenn die in Berlin nicht so recht miteinander klarkommen, zeigen wir, wie es gut gehen kann“, meinte Platzeck.

Allerdings hat auch das kleine Forst nach der Wende erst seine Erfahrungen mit der offenen Grenze nach Polen machen müssen. Der neue Übergang über die Neiße wurde nicht etwa am historischen Ort im Stadtzentrum gebaut, sondern weit vor den Toren des Ortes. So stehen die Stümpfe der Eisenbahn- und Straßenbrücke über den Fluss wie Zeichen einer noch nicht ganz abgeschlossenen Vergangenheit.

Zumindest gestern spielte das keine große Rolle. Vielleicht lag es an dem beachtlichen Aufmarsch von Hoheiten aus vergangenen und heutigen Zeiten. Zur Eröffnung des Tages begrüßte die 19. Forster Rosenkönigin Nicole I. nicht nur den Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und seine Gemahlin Louise, Henriette von Oranien, sondern unter anderem die Baumblütenkönigin aus Werder, die Kirschkönigin aus Glindow, die Flämingkönigin aus Luckenwalde, den Postkutscher aus Cottbus, die Kristallprinzessin aus Döbern, die Lindenprinzessin aus Lindenau, die Havelkönigin aus der Stadt Brandenburg und die Gurkenkönigin aus Lübbenau. Ja, so vielfältig kann die Mark Brandenburg sein. Nur die großen Figuren im Biberkostüm Opti, Flori und Havi fielen etwas aus dem Rahmen. Sie überbrachten als Maskottchen Grüße von der Landesgartenschau Rathenow in Rathenow.

Ein Ritual fehlte aber in Forst. Der Austragungsort des nächsten Brandenburg-Tages wurde noch nicht verkündet. Möglicherweise findet er erst wieder 2008 statt.

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