Der Tagesspiegel : Ein langsamer Abschied von der Schiene

Verbindungen von Rathenow nach Neustadt (Dosse) sowie von Brandenburg nach Belzig werden stillgelegt

Klaus Kurpjuweit

Rathenow. Das Streckensterben bei der Bahn in Brandenburg geht weiter. Am 30. November fahren zum letzten Mal Züge zwischen Rathenow und Neustadt (Dosse), am 13. Dezember nimmt die Bahn dann auch Abschied von der Verbindung Brandenburg – Belzig. Beide Strecken sind vom Verkehrsministerium abbestellt worden; das heißt, die Landesregierung will hier für den Bahnverkehr keine Zuschüsse mehr zahlen.

Zu gering sei die Zahl der Fahrgäste auf diesen Strecken gewesen, begründet das Ministerium seine bereits im August getroffene Entscheidung. Rund 100 Fahrgäste hätten durchschnittlich pro Tag in den Zügen gesessen; wirtschaftlich werde ein Bahnbetrieb aber erst mit rund 500 Kunden. Nun müssen die wenigen Bahnfahrgäste auf Busse umsteigen, bei denen der Zuschussbedarf aus der Landeskasse wesentlich geringer ist.

Neu ist der Busverkehr dabei nicht. Bereits in der Vergangenheit waren Bahn und Bus zum großen Teil nebeneinander hergefahren, wobei der Bus, anders als die Züge, auch mitten in die Orte fahren konnte. Dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) war es nicht gelungen, den – teuren – Parallelverkehr abzustellen.

Die beiden Strecken, die jetzt aufgegeben werden, gehören zur Brandenburger Städtebahn, die in einem großen Bogen westlich um Berlin herumführt. Anfang der 90er Jahre gab es Pläne, diese Verbindung auszubauen, um die Konzentration auf Berlin zu verringern. Als durchgehende Verbindung war die Städtebahn jedoch kaum zu nutzen; eingeteilt war sie stets in einzelne Abschnitte. Beim Umsteigen für die Weiterfahrt mussten die Fahrgäste oft lange auf den Anschluss warten.

Der Rückzug der Bahn aus der Fläche ist mit den kommenden Streckenstilllegungen nicht beendet. Auf dem „Prüfstand“ des Verkehrsministeriums stehen noch weitere Verbindungen. Ein Rettungsanker für den Bahnbetrieb sollen Ausschreibungen sein, bei denen das Ministerium hofft, billigere Betreiber als die Bahn AG zu finden. So übernimmt nächstes Jahr die Prignitzer Eisenbahn zusammen mit der Hamburger Hochbahn mehrere Strecken östlich von Berlin. Für die Heidekrautbahn im Norden läuft die Ausschreibung. Auch diese Bahn hat bereits einen Teil ihrer Strecke verloren. Liebenwalde ist seit 1997 von der Schiene abgehängt.

Das brandenburgische Bahnnetz ist noch etwa 2 750 Kilometer lang. Seit den 90er Jahren wurden 200 Kilometer stillgelegt, auf weiteren 300 Kilometern wurde der Personenverkehr eingestellt.

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