Ein Leben wie ein Feuerwerk : Mary wieder auf der großen Bühne

Mit dem ironischen Weihnachtsprogramm "Mary Christmas" kehrt Georg Preusse alias Mary wieder auf die Bühnenbretter zurück. Nachdenkliches aber auch Lustiges wird er dann ab dem 20. November im Admiralspalast seinem Publikum präsentieren.

Wilfried Mommert[dpa]
Mary
Georg Preusse. -Foto: dpa

BerlinMarys Heimat ist die "Bühne der Illusionen" als Solostar und früher auch mit seinem Showpartner im Gemeinschaftsprogramm von Mary und Gordy. Die Republik lag den schillernden "Damen-Herren" zu Füßen, in einem Jahr (wie 1987) kamen über 600 000 Zuschauer in ihre Show. Nächste Woche rollt Georg Preusse wieder den Roten Teppich aus und beginnt im Berliner Admiralspalast sein Gastspiel in der Hauptstadt mit dem ironischen Weihnachtsprogramm "Mary Christmas" im gewohnten Glitzerkleid oder als "singendes und blinkendes Tannenbäumchen".

Am Silvesterabend werden seine Gedanken aber 20 Jahre zurückgehen, als er am 31. Dezember 1987 zum letzten Mal mit seinem langjährigen Partner Reiner Kohler alias Gordy auf der Bühne stand, der 1995 mit nur 50 Jahren einem Krebsleiden erlag. 2008 hätten beide ihren 30. "Bühnen-Hochzeitstag" feiern können. Der 57-jährige Preusse wird beim Gespräch in einem Hotel an seinem geliebten Kudamm, wo er auch schon in "Cabaret" auf der Bühne stand, plötzlich still und nachdenklich und spricht davon, bald eine längere Pause einzulegen, auch um die kranke Mutter seines Freundes pflegen zu können. Im letzten Jahr sind Marys Eltern gestorben. "Ich merke auf einmal, dass mir persönlich mein Leben wegläuft, ein Leben, das manchmal schon wie ein Rausch, wie ein Feuerwerk in bunten Farben war - man ist wahnsinnig glücklich und plötzlich ist alles vorbei."

Nachdenkliches spricht Mary auch im Weihnachtsprogramm an. "Es geht um Wünsche, Träume, Enttäuschungen, Einsamkeit, Trubel und Kommerz - Lieder über die immer neuen Hoffnungen für ein neues Jahr und die guten Vorsätze: Was haben sich zum Beispiel der Papst oder Jan Ullrich vorgenommen?" fragt Mary. Aber die Besucher sollen auch lachen können, bei aller Nachdenklichkeit. Auch sollen sie spüren, "dass sie noch Gefühle haben".

Natürlich hat sich Marys Publikum in den letzten Jahrzehnten auch gewandelt. "Aus sexueller Neugier kommt heute keiner mehr. Es reicht heute auch nicht mehr, nur ein Kleid anzuziehen und eine Perücke aufzusetzen, um die Leute zu begeistern. Das war damals vielleicht noch ein Abenteuer und gehörte sozusagen noch zur "entarteten Kunst", also zu den sogenannten Werten aus der Nazizeit nach dem Motto "Alles kann doch nicht so schlecht gewesen sein", wie einige Blondinen heute wieder meinen."

Nein, Mary freut sich, dass die Zuschauer inzwischen seine vielseitige schauspielerische Leistung akzeptieren, wie er sie übrigens auch schon als Mackie Messer, "Mephisto" Gustaf Gründgens oder "Jedermann" gezeigt habe, wie er betont. Die sexuelle Neigung stehe nicht mehr im Vordergrund des Interesses bei seiner Show, auch wenn früher zu Zeiten von Mary und Gordy noch viele Zuschauer "die Hoffnung hatten, ich könnte doch eine Frau sein". Um sich diese "Probleme" zu ersparen, schminkt sich Mary am Schluss seiner Shows jetzt immer ab und zieht die Showkleider aus, "damit die Leute wissen, die Show ist zu Ende, der Traum ist vorbei, die Seifenblase ist geplatzt und zum Vorschein kommt der Mensch Georg Preusse".