Der Tagesspiegel : Ein Ort der Versöhnung

Evangelische Kreissynode beschließt Konzept für die neue Garnisonkirche

Michael Erbach

Potsdam – Die Garnisonkirche in der Potsdamer Stadtmitte soll als offene Stadtkirche, Symbolkirche und Internationales Versöhnungszentrum wieder aufgebaut werden. Das beschloss gestern die Kreissynode der evangelischen Kirche Potsdam. Sowohl die Architektur wie auch die Nutzung der Räume des Neubaus sollen laut Kirchenleitung „die Balance zwischen Kontinuität und Diskontinuität der Geschichte an einem historisch bedeutsamen Ort“ widerspiegeln. Das Kirchenschiff soll im wesentlichen nach alten Vorlagen wiederentstehen. Lichtspiele und eine weitere Melodie für das Glockenspiel sollen die Auseinandersetzung mit der wechselvollen Geschichte der 1968 gesprengten Kriegsruine symbolisieren. So ist auch geplant, in der früheren Heilig-Kreuz-Kapelle am Fuß des Kirchturms eine Nagelkreuz-Kapelle einzurichten, vor deren westlichem Eingang das Nagelkreuz der Versöhnungskirche Coventry aufgestellt werden soll.

Das 65-Millionen-Euro-Projekt soll über Spenden finanziert werden. Die Grundsteinlegung ist für den 14. April, den 60. Jahrestag des Bombenangriffs auf Potsdam, geplant. Als Gäste werden unter anderem die drei Schirmherren des Wiederaufbaus, Bischof Wolfgang Huber, Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU), sowie Altbundespräsident Richard von Weizsäcker erwartet.

Der 2004 gegründete Förderverein für den Wiederaufbau will nach der Grundsteinlegung offiziell mit der Spendensammlung beginnen. Vereinschef Hans P. Rheinheimer nannte den 500. Reformationstag am 31. Oktober 2017 als möglichen Einweihungstermin. Unterdessen plant die Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel, die aus Kritik am Nutzungskonzept die bereits gesammelten 6,5 Millionen Euro zurückgezogen hat, nun auch die eigene Auflösung.

In Potsdams Innenstadt demonstrierten gestern mehrere hundert Menschen gegen den Wiederaufbau. Auch im Fall der Gestaltung als Versöhnungszentrum sei zu befürchten, dass die Kirche zum Anziehungspunkt für Neonazis werde, hieß es.

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