Der Tagesspiegel : Ein Ort für Visionen

Potsdams Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2010 stellt Landschaft, Architektur und Film ins Zentrum

Michael Erbach

Potsdam. „Stell Dir vor… Potsdam weckt Visionen“ – unter diesem Motto wird sich die Landeshauptstadt Potsdam um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2010 bewerben. Dabei sollen Potsdams „einzigartige Landschaft und ihre Gestaltung, die Architektur und die legendären Filmwelten von Babelsberg“ als herausragende städtische Merkmale von europäischer Geltung zu den drei tragenden „Bausteinen für Konzepte von morgen“ werden. Dies sagte Projektleiter Moritz van Dülmen am Freitag bei der Vorstellung des Bewerbungskonzepts im Alten Rathaus. Van Dülmen: „Potsdam ist schon heute eine europäische Kulturstadt, und wir sind überzeugt, dass sie würdig ist, den Titel Kulturhauptstadt Europas für Deutschland zu tragen.“

Startschuss für den „Bewerbungs-Marathon“ ist am heutigen Sonnabendnachmittag eine große öffentliche Präsentation am künftigen Kulturstandort Schiffbauergasse, bei der die Potsdamer Bevölkerung mit aufgespannten Regenschirmen symbolisch die „Schirmherrschaft“ über die Bewerbungskampagne übernehmen soll. Im kommenden Jahr legt zunächst der Bundesrat fest, welche der 17 deutschen Bewerberstädte der Europäischen Union als Kandidaten vorgeschlagen werden. 2006 soll dann die endgültige Entscheidung fallen.

Van Dülmen sagte, schon jetzt zeichne sich ab, „dass Potsdam zu den Favoriten zählt“. Dies werde auch durch die Bewerbungsschrift dokumentiert. Darin enthalten sei eine „Biographie“ der Stadt, die zeige, dass Potsdam „Schmelztiegel europäischer Ideen und Gedanken“ sei – „Ergebnis von Visionen, die Realität wurden“. Gerade deshalb sei Potsdam auch prädestiniert für den „Diskussionsprozess um künftige Visionen“. Ebenfalls wichtiger Teil der Bewerbungsschrift ist der Verweis auf die Potenziale der Stadt. Van Dülmen betonte, dass Potsdam den Kulturbegriff „sehr weit gefasst“ verstehe. Neben den Künsten und dem kulturellen Leben prägten auch Wissenschaft und Forschung sowie Stadtentwicklung und Stadtumbau – sowohl am historischen Alten Markt wie in den Plattenbaugebieten – eine Stadt, „die noch nicht fertig ist, die lebendig ist und sich entwickelt“.

Wie Potsdams Kulturbeigeordnete Gabriele Fischer sagte, komme es nun darauf an, die Bewerbungsschrift durch „eine breite Diskussion in der Bevölkerung mit Leben zu erfüllen“. Rund 1,6 Millionen Euro will die Stadt bis 2006 für die Bewerbungskampagne einsetzen. Diese Ausgabe solle aber nicht zu Lasten des angespannten städtischen Kulturhaushalts gehen, sagte Fischer. Mindestens ein Drittel der Summe sei Veranstaltungen vorbehalten, mit denen Potsdam bereits während der Bewerbungszeit „nachweisen wird, dass wir hervorragende Gastgeber sein können und Potsdam ein idealer Ost ist, um Inspirationen für das künftige Europa zu geben“, so van Dülmen. Sollte Potsdam im Jahr 2010 Kulturhauptstadt Europas werden, sollen rund 35 Millionen Euro in das Hunderte von Veranstaltungen umfassende Programm fließen.

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