Der Tagesspiegel : Ein Platz für die Klimaforscher-Elite

Potsdamer Institut soll bis zu 50 Gastwissenschaftler beherbergen

Jan Kixmüller
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Stürmische Zeiten. Prognosen zufolge ist für die Zukunft mit mehr extremen Wetterlagen zu rechnen – zum Beispiel Orkanen wie hier...

Der Taxifahrer hat ihn bestätigt. Als Klaus Töpfer gestern vom Potsdamer Bahnhof zur Kleist-Villa in der Berliner Straße fuhr, klagte der Fahrer über die Schwüle. Das werde jetzt wegen des Klimawandels öfter so sein, sagte der Chauffeur. Da könne man leider nicht viel machen. Dass man doch einiges machen kann, davon ist Töpfer, Gründungsdirektor des Instituts für Klimawandel, Erdsystem und Nachhaltigkeit in Potsdam überzeugt. Das IASS (Institute for Advanced Sustainability Studies) soll in den ehemaligen Räumen der Deutschen Bundesbank, zu der auch die Kleist-Villa zählt, im Herbst seine Arbeit aufnehmen. Die Einrichtung für Klimaschutz-, Erdsystem- und Nachhaltigkeitsforschung ist nach Worten von Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) das erste Institut mit diesem Schwerpunkt.

Bis zu 50 Gastwissenschaftler aus aller Welt sollen sich hier Gedanken darüber machen, wie man Zeit gewinnen kann, um das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitraum zu begrenzen, einzuhalten. Dabei sind vor allem neue Ideen gefragt, für Technologien, die neben der Lagerung des klimaschädlichen Kohlendioxides auch seine Nutzung in den Blick nehmen. Es müsse in Zukunft darum gehen, einen Kreislauf zu schaffen, anstatt das CO2 unter der Erde zu lagern, sagte Töpfer gestern in Potsdam.

Es würden auch neue Technologien benötigt, um das Treibhausgas aus der Atmosphäre zu absorbieren. Nach Erkenntnis der Klimaforschung wird dies schon in naher Zukunft nötig, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Eine globale Erwärmung über zwei Grad gilt als nicht mehr kontrollierbar. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt für das IASS ist der Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in politisches Handeln und ein Verständnis in der Gesellschaft.

Wie Töpfer hervorhob, wird das IASS in enger Kooperation mit dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ), der Universität Potsdam und weiteren Instituten der Region arbeiten. „Uns geht es nicht um Isolation, sondern um Integration“, sagte der CDU-Politiker, der bereits Bundesumweltminister sowie Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) war. Töpfer ist Wirtschafts- und Politikwissenschaftler und gilt als Experte für Fragen der nachhaltigen Entwicklung.

Die Gastwissenschaftler (Fellows) des IASS – vom Nachwuchsforscher bis zum Nobelpreisträger – sollen in den Gebäuden an der Berliner Straße Arbeitsräume und Wohnungen erhalten, für Forschungszwecke würde zudem die Infrastruktur der hiesigen Forschungsinstitute genutzt. Die Fellows werden nach dem Vorbild des Elite- Institutes an der US-Universität Princeton für maximal zwei Jahre Forschungsmöglichkeiten erhalten.

Das Institut wird von einem Verein getragen und zunächst für sieben Jahre mit jährlich neun Millionen Euro gefördert, wobei der Großteil vom Bund und rund eine Million Euro vom Land Brandenburg kommen. Die Liegenschaft wurde, wie Brandenburgs Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) sagte, vom Land erworben. Der Komplex werde nun umgebaut.

Der Beschluss für den Standort Potsdam sei einstimmig von den deutschen Forschungsgesellschaften getroffen worden, sagte Bundesforschungsministerin Schavan. „Das hat vor allem etwas damit zu tun, dass Potsdam in der Klima- und Erdsystemforschung mittlerweile ausgewiesen ist“, ergänzte Ministerin Wanka. Potsdam habe sich gegen Hamburg, München, Wuppertal und Freiburg als Standort für das IASS durchgesetzt. Die bestehende wissenschaftliche Infrastruktur biete die Grundlage für das auf Kooperation ausgelegte IASS.

Ziel des Instituts ist nach den Worten Schavans eine Internationalisierung der Nachhaltigkeitsforschung. „Zudem wollen wir Spitzenforscher nach Deutschland holen.“

Töpfer sagte, dass es angesichts des aktuellen Forschungsstandes „absolut notwendig“ sei zu handeln. Der Klimawandel schreite schneller voran als angenommen. Eine schnelle Berücksichtigung von Forschungsergebnissen zum Klimawandel in Politik und Zivilgesellschaft sei dringend notwendig. „Wir stehen unter großem Handlungsdruck“, sagte Töpfer.

Um weltweit sichtbar zu werden, bemüht sich Töpfer um Forschungsexzellenz. So soll der US-Klimaforscher Veerabhadran Ramanathan als wissenschaftlicher Direktor gewonnen werden. Ramanathan hat für Präsident Obama den Wandel in der amerikanischen Klimapolitik wissenschaftlich begleitet. PIK-Direktor Hans Joachim Schellnhuber werde Vorsitzender des Instituts-Beirates. Institute der Region sollen im Beirat vertreten sein.

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