Der Tagesspiegel : Ein Schnuller für die kleinen Biester

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Groß Schönebeck. Das Heulen der kleinen Wölfe klingt noch ganz zaghaft, im zarten Alter von gerade Mal zwei Wochen ist das kein Wunder. „Hunde-Welpen geben solche Laute gar nicht von sich“, erklärt die Expertin Imke Heyter in einer ruhigen Ecke des weitläufigen Wildparkes Schorfheide bei Groß Schönebeck. Hier erhalten die sechs Nachkommen der vier Jahre alten Wölfe Lotte und Timo die Flasche. Sie sollen sich möglichst frühzeitig an den Menschen gewöhnen, denn sie werden ihr weiteres Leben in Tierparks oder Zoos verbringen. „Von Natur aus fürchtet sich der Wolf vorm Menschen“, sagt Imke Heyter. „Wenn er nicht vom ersten Tag an seine Scheu verliert, würde er sich im Tierpark stets vor den Besuchern verstecken wollen." Ab dem morgigen Sonnabend kann jedermann bei der Fütterung der Welpen dabei sein. Täglich um 14 Uhr erhalten sie die nächsten Wochen in einem eigens aufgebauten Gehege die Flasche mit einer extra gemischten Welpenmilch, die vor allem viel Eiweiß enthält. „Vielleicht verlieren dabei auch einige Besucher ihre durch nichts gerechtfertigte Angst vor dem Wolf“, hofft die junge Frau.

In dem 8000 Quadratmeter großen Gehege im Wildpark leben derzeit 14 große Wölfe. Da wird irgendwann der Platz zu eng. Auch deshalb wurden die fünf Rüden und die eine Fähe schon gleich nach der Geburt von ihrer Mutter getrennt. Zwei Wölfe – ein Männchen und ein Weibchen – besitzen sogar ein abgetrenntes Revier. Die Parkleitung hofft auch hier auf Nachwuchs. Der Rüde blickt auf eine bewegte Biographie zurück. Vor etwa drei Jahren ist er in der Nähe von Eisenhüttenstadt entdeckt worden, als er sich auf einem Grundstück einer Hündin genähert hatte. Er war verletzt, bewegte sich nur noch auf drei Beinen. Offenbar war er in eine Falle auf dem polnischen Oderufer gelaufen. Der Wolf wurde gefangen, bekam den n Naum und fand im Wildpark Schorfheide ein neues Zuhause.

Die sechs kleinen Welpen tragen bisher noch keine so exotischen Namen. In der Eile nach der Geburt entschieden sich Tierpfleger für die Bezeichnungen „Mädchen“, „Weißpfot“, „Keinpunkt“, „Einpunkt“, „Zweipunkt“ und „Dreipunkt". Die Kennzeichen mit den Punkten wurden kurzerhand ins Fell geschnitten. Die kleinen Flecken wachsen sich in Kürze wieder heraus. Dann dürften die Wölfe auch ohne besonderes Merkmal voneinander zu unterscheiden sein. Claus-Dieter Steyer

Der Wildpark Schorfheide ist über die A11 nach Prenzlau (Abfahrt Finow, über Eichhorst nach Groß Schönebeck) zu erreichen. Geöffnet täglich 10 bis 17 Uhr. Im Internet unter www.wildpark-schorfheide.de

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