Der Tagesspiegel : Ein Spaßbad in Nöten

Fünf Jahre nach der Eröffnung droht der Naturtherme Templin die Insolvenz Neun Millionen Euro wären zur Sanierung nötig. Aber die Stadt hat kein Geld

Claus-Dieter Steyer

Templin - Mit einer ungewöhnlichen Botschaft wendet sich das große Thermalbad in Templin auf seiner Internetseite an die Besucher: „Es gibt uns noch, wir haben geöffnet und freuen uns auf Ihren Besuch!!“ Es habe in letzter Zeit „Unkenrufe“ und „weniger schöne Nachrichten“ gegeben. Die Naturtherme räumt „einige Baumängel“ ein, die nächstes Jahr in einer mehrmonatigen Schließzeit behoben würden.

Doch die Lage der Touristenattraktion in dem Uckermark-Städtchen mit seinen restaurierten Fachwerkhäusern und der fast vollständig erhaltenen Stadtmauer ist weitaus ernster: Nur mit sehr viel Geld kann die Insolvenz der vor fünf Jahren fertig gestellten Therme noch verhindert werden. Auf rund neun Millionen Euro beziffert die Templiner Stadtkämmerin Ursula Heise den Sanierungsaufwand. Und es ist völlig ungewiss, ob die 10 000-Einwohner-Stadt das Geld für das Thermalbad aufbringen kann, das ihr zu 100 Prozent gehört.

Rund 27 Millionen Euro Fördermittel aus den Kassen des Bundes, des Landes und der EU waren in die Naturtherme geflossen. Dazu nahm die Stadt Kredite auf und steckte den Erlös vom Verkauf eines großen Ferienhotels in das Freizeit- und Gesundheitsbad, um die Gesamtkosten von 36 Millionen Euro aufzubringen. Der Erfolg schien den Planern zunächst Recht zu geben. In den ersten beiden Jahren nach der Eröffnung tummelten sich in den Becken, in dem Sauna- und dem Massagebereich rund 400 000 Gäste, die meisten davon aus Berlin. 2004 kamen nur noch 340 000 Besucher, in diesem Jahr werden 310 000 erwartet – bei Preisen, die für Erwachsene bei neun Euro für zwei Stunden liegen. Zum Rückgang trägt neben der allgemeinen Konsumflaute und hoher Arbeitslosigkeit vor allem die wachsende Konkurrenz bei. Ausflügler finden inzwischen Freizeitbäder in allen Himmelsrichtungen (siehe Kasten unten).

Bereits im Vorjahr konnte die Templiner Therme die Insolvenz nur knapp vermeiden. Die Schuld an der Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen wurde dem Geschäftsführer und Kurdirektor gegeben, der über Nacht seinen Posten räumen musste. Bürgermeister Ulrich Schoeneich, kürzlich aus der SPD ausgetreten, hat seitdem einen schweren Stand im Stadtparlament. Doch alle Versuche, ihn wegen der Probleme mit der Therme und anderer Entscheidungen abzuwählen, scheiterten bislang.

In der Stadtkasse fehlen schon jetzt fünf Millionen Euro – und an der Therme stellten Gutachter ganze 460 Bau- und Planungsfehler fest. So sickert durch das begrünte Dach Regenwasser, sind die Wannen der Badebecken undicht, rosten Pumpen und elektronische Bauteile durch das Solewasser und halten Fliesen nicht mehr an den Wänden. „Leider können wir alle am Bau beteiligten Firmen nicht mehr belangen“, sagt Bürgermeister Schoeneich. Sie seien mittlerweile alle insolvent.

Die Besucher spüren von den Problemen allerdings ebenso wenig wie die Tester des Heilbäderverbandes. Der bescheinigte dem Bad erst jüngst eine hohe medizinische und therapeutische Kompetenz, einen guten Service und dem Ort eine gut ausgebaute Infrastruktur für den Gesundheitstourismus. Die Therme ist damit die erste in Deutschland, deren gesamtes Angebot ausgezeichnet wurde.

Am 26. Juli müssen die Stadtverordneten über den Sanierungsplan abstimmen. Templin wird wohl einen weiteren hohen Kredit aufnehmen und Vermögen verkaufen müssen. Und das Land soll zwei Millionen Euro aus dem Topf für Tourismusförderung zahlen – damit sollen im Zuge der Bauarbeiten die Angebote des Bades weiter ausgebaut werden. Wenn die Therme im nächsten Jahr zwischen Ostern und Weihnachten wegen der Bauarbeiten geschlossen bleiben muss, werden Einnahmeverluste von über einer Million Euro erwartet. Auch dafür soll das Land einspringen. Im Wirtschaftsministerium heißt es vorsichtig, das Ansinnen werde geprüft.

Doch einem anderen touristischen Aushängeschild Templins wurden Landeshilfen gerade verweigert. Die 2004 eröffnete Westernstadt „Silver Lake City“ ging im April Pleite. Bis heute gibt es keinen neuen Investor; die erhofften 6,4 Millionen Euro Fördermittel blieben aus, weil die Investitionsbank des Landes ernste Zweifel am Konzept hatte. So kamen in der ersten Saison nur 50 000 statt der erhofften 250 000 Besucher. Jetzt prüft der Geschäftsführer des Filmparks Babelsberg, Friedhelm Schatz, den Einstieg.

0 Kommentare

Neuester Kommentar