Der Tagesspiegel : Ein Storchenjunges mit menschlicher Gastfamilie

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Paretz Merkwürdige Dinge geschehen auf dem Storchenhof Paretz: Menschen machen sich auf die Suche nach Regenwürmern, mischen sie mit klein geschnittenem Fisch und etwas Schabefleisch und klettern damit aufs Scheunendach zum Storchenhorst. Hier klappern die kleinen Jungvögel schon kräftig mit dem Schnabel. Die Mutter aber fliegt auf den nächsten Baum, um die Fütterung aus sicherer Distanz zu beobachten. Danach setzt sie sich wieder zu ihren Kleinen ins Nest.

Das ungewöhnliche Geschehen begann vor drei Wochen. Da meldeten Passanten den Inhabern des neben dem Schloss gelegenen Storchenhofes, dass auf dem Dach unter dem Horst ein sich bewegendes Daunenknäuel liege. Es war ein drei Tage zuvor zur Welt gekommenes Neugeborenes, das die Eltern wohl absichtlich aus dem Nest geworfen hatten, um sich auf ihre zwei anderen Jungen zu konzentrieren. Bei Störchen kommt das öfter vor.

„Der Kleine tat uns natürlich Leid“, erinnert sich Claudia Hipp, Chefin des Storchenhofes. „Wir kletterten aufs Dach und nahmen den Unglücksraben in unsere Obhut.“ Befragte Vogelkundler rieten zwar von einer Aufzucht ab, da er dann nie wieder von seinen Artgenossen angenommen werde. Doch der ganze Hof und viele Gäste hatten nun ihren Liebling gefunden. Er erhielt den Namen „Fortuna“, wurde regelmäßig gefüttert und entwickelte sich prächtig. Und dann wurde er mit Hilfe der Feuerwehr vorsichtig zu seiner Familie in den Horst zurückgesetzt. Bange Stunden des Wartens begannen. Die Eltern könnten den Jungen ja wieder hinauswerfen. Fachleute rieten zu Hilfe durch den Menschen: Für eine gewisse Zeit sollte „Fortuna“ zusätzliches Futter erhalten, um die Alten wohlzustimmen. Bislang klappt der Versuch. Claudia Hipp steigt täglich nach oben und füttert „Fortuna“ – und ganz nebenbei auch seine Geschwister. Ste.

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