Der Tagesspiegel : Ein Stück Karibik in der Lausitz

Cottbus eine No-go-Area? Nicht nur das „Mosquito“ beweist das Gegenteil

Sandra Dassler

Cottbus - „Auf Trinidad und Tobago!“ Vor der Gaststätte „Mosquito“ auf dem Cottbuser Altmarkt stoßen zwei dunkelhäutige junge Männer mit einem hellhäutigen Ehepaar an. An den Tischen rundum heben weitere Gäste ihre Bier- und Cocktailgläser: „Auf die Karibik!“ „Und auf Afrika!“ ruft eine Frau. Drinnen im gut gefüllten „Mosquito“ begrüßt der Wirt Thomas Schröder gerade unter lautem Hallo den Lieblingsbrasilianer der Cottbuser: Franklin Bitencourt, einst gefeierter Star beim FC Energie, jetzt Kotrainer der Amateure und selbst Inhaber von zwei Gaststätten.

Ist das wirklich Cottbus? Die Stadt der No-go-Areas, der immer wieder aufschreckenden brutalen Überfälle auf Ausländer? „Es gibt das eine und das andere Cottbus“, sagt Timafey Atemnking, einer der beiden dunkelhäutigen Männer am Tisch. Der 24-Jährige lebt seit vier Jahren hier, ist einer von 819 ausländischen Studenten an der Brandenburgischen Technischen Universität. Er hat hier Freunde. Er fühle sich wohl in Cottbus, sagt er: „Aber natürlich würde ich bestimmte Orte nachts nicht allein aufsuchen. Wenn einem da eine betrunkene Meute junger Glatzköpfe entgegenkommt, muss man auch als Deutscher auf der Hut sein.“ Atemnking stammt aus Kamerun, das leider – sagt er – bei der WM nicht dabei ist. Deshalb drückt er Tunesien und der Elfenbeinküste die Daumen und natürlich Trinidad und Tobago. „Es war eine Superidee von Herrn Schröder, die Cottbuser für diese Mannschaft zu begeistern“, sagt er.

„Mosquito“-Chef Thomas Schröder, 41, winkt ab: „Es lag doch auf der Hand, dass wir als karibische Gaststätte eine Mannschaft aus der Karibik unterstützen – nur hätte ich nie damit gerechnet, dass so viele Cottbuser mitziehen.“ Am ersten Spieltag der karibischen Mannschaft seien die Cottbuser noch skeptisch gewesen, sagt Schröder. Aber schon beim zweiten Spiel habe er nicht alle Reservierungswünsche erfüllen können: „Und dann kamen die alle in den Farben von Trinidad und Tobago – ich war platt.“

Schröder ist in Cottbus geboren. Und Gastwirt mit Leib und Seele. Nein, er wolle nichts beschönigen: „Es gibt leider auch in Cottbus ein paar Idioten, die auch vor Gewalt gegen Ausländer nicht zurückschrecken“, sagt er: „Und alle gut gemeinten Aufrufe und politischen Sonntagsreden nutzen nichts, wenn Internationalität nicht gelebt wird“.

Nach der Wende nutzte Schröder gemeinsam mit seiner Frau die neu gewonnene Reisefreiheit und hat viel von der Welt gesehen. Internationalität hatte er auch im Blick, als er vor drei Jahren das „Mosquito“ einrichtete. Sowohl räumlich als auch personell: Eine große Cocktailbar, helle Farben und leichte, karibische Kost; dazu ein junges Team mit vielen Ausländern. „Bei mir arbeiten manchmal junge Leute aus Familien, die niemals etwas mit Ausländern zu tun hatten. Wenn die dann mit afrikanischen Studenten zusammen in der Küche stehen und miteinander über ihre Familien reden – das ist ein besseres Mittel gegen Rassismus als alles andere“, sagt er.

Trinidad&Tobago spielt heute Abend, 21 Uhr, gegen Paraguay.

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