Der Tagesspiegel : Ein Wohltäter wird 60 – Potsdam sagt Danke

Hasso Plattner schenkte der Stadt ein Hightech-Institut. Nun wurde der Milliardär gefeiert

Thorsten Metzner

Lange hat Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hin und her überlegt, was er dem Jubilar als offizielles Geschenk der Stadt überreichen soll. Die Wahl fiel dann erst kurz vor der Festveranstaltung am Freitagnachmittag: Hasso Plattner bekam zur – nachträglichen – Feier seines 60. Geburtstages: eine „Potsdam-Uhr“, deren Zifferblatt ein Bild von Park Sanssouci schmückt. Damit der leidenschaftliche Ozeansegler Plattner an jedem Ort der Welt wisse, „was die Stunde in Potsdam gerade schlägt“.

Hasso Plattner und Potsdam, der Mitbegründer des Softwarekonzerns SAP und die Stadt der Schösser und Gärten – das ist wirklich eine besondere Beziehung. 1998 hatte der damalige SAP-Vorstand, der inzwischen in den Aufsichtsrat gewechselt ist, mit dieser Nachricht Aufsehen erregt: Der Milliardär spendet rund 60 Millionen Euro aus seinem Privatvermögen für die Gründung eines Hightech-Instituts in Potsdam. Inzwischen steht der Campus am Bahnhof Griebnitzsee und trägt seinen Namen. Rund zweihundert Studenten büffeln hier im weltweit einmaligen Studiengang „Softwaresystemtechnik.“ Was das ist, hat Plattner einmal so erklärt: Ausgebildet würden hier keine reinen Informatiker. Gelehrt werde nicht allein das Programmieren – was, so Plattner, bloße Fließbandarbeit sei. An diesem Institut lernten die Studenten vielmehr, das Programmieren zu organisieren. Hier studieren künftige Projektleiter – die in der Industrie hochbegehrt sind.

Geboren und aufgewachsen ist Plattner in Berlin. Seine Entscheidung für Potsdam aber war mehr als eine schwärmerische Liebeserklärung an die Stadt. Sein Motive erklärte er einmal so: „Es wird in der Zukunft ein Privileg der Geistesarbeiter sein, sich dort in der Welt anzusiedeln, wo es am schönsten ist“. Und Potsdam, das märkische Arkadien mit seinen Schlössern und Parks der Preußenkönige, habe alle Chancen, einer dieser Orte zu sein.

Kein Wunder, dass Oberbürgermeister Jakobs heute ins Schwärmen verfällt, wenn er auf Plattners Engagement angesprochen wird. „Ein Segen“, nennt er es. Eine Schule für Spitzenkräfte, deren Wert sich umso mehr in Zeiten erweist, wo über Eliteuniversitäten diskutiert wird.

Und nicht nur das. In der alten Mitte der Stadt, am Neuen Markt in Potsdam, investiert Plattner im Gebiet rings um den Kutschstall, wo auch das Preußenmuseum sein Domizil hat. In den „Grauen Kasernen“ der früheren russischen Armee im Norden entwickelt er einen Wohn- und Gewerbepark im Grünen. Unmittelbar an dem Jungfernsee hat Plattner auch privat ein Grundstück gekauft. Dass er Potsdam nicht zum ständigen Wohnsitz machen wird, wie er jetzt klarstellte, irritiert Jakobs nicht. „Einen Kosmopoliten wie Hasso Plattner kann Potsdam allein nicht vereinnahmen.“

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