Einbruch in Haus : Neonazi-Opfer Noel Martin überfallen und ausgeraubt

Vor 15 Jahren wurde er Opfer eines rassistischen Angriffs in Mahlow. Nun ist Noel Martin in seinem Haus in Birmingham überfallen worden. "Ich finde keinen Frieden", sagte er dem Tagesspiegel.

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Das Archivbild von 2001 zeigt Noel Martin bei einer Demonstration gegen Rassismus.
Das Archivbild von 2001 zeigt Noel Martin bei einer Demonstration gegen Rassismus.Foto: dpa

Noel Martin, der am 16. Juni 1996 Opfer eines rassistischen Anschlags in Mahlow und dadurch zum schweren Pflegefall wurde, ist in seinem Haus im englischen Birmingham offenbar überfallen und ausgeraubt worden. Am Donnerstag wandte sich der 52-Jährige an den Tagesspiegel: „Man hat meine Krankenpflegerin an einen Stuhl gefesselt und ihr und mir eine Waffe an den Hals gehalten, damit wir den Code für den Safe verraten.“ Im Safe hätten rund 1000 Pfund (1180 Euro) gelegen, die er für die Wartung seines Behindertenfahrzeugs verwenden wollte. Es ist die einzige Möglichkeit für den meist Bettlägrigen, ab und an nach draußen zu kommen.

Die Räuber hätten neben Geld auch Verlobungsringe mitgenommen, sagte Martin. Die seien ein Andenken an seine Frau Jacqueline gewesen, die ihn pflegte, bis sie im Jahr 2000 an Krebs starb. Martin selbst war Mitte der 90er Jahre als Bauarbeiter nach Mahlow gekommen. Zwei Neonazis beschimpften ihn am 16. Juni 1996 als „Nigger“, verfolgen ihn in einem gestohlenen Wagen und warfen einen Feldstein in sein Auto. Es prallte gegen einen Baum. Noel Martin ist seither vom Kopf abwärts querschnittgelähmt. Zwei Mitfahrer wurden leicht verletzt.

Die beiden Täter wurden vom Landgericht Potsdam wegen gefährlicher Eingriffe in den Straßenverkehr und schwerer Körperverletzung zu Haftstrafen von acht und zwölf Jahren verurteilt, sie sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Noel Martin bekam eine finanzielle Entschädigung und erhält eine monatliche Rente.

Wegen der großen Schmerzen und Einschränkungen hatte Martin vor Jahren angekündigt, sich an seinem 48. Geburtstag im Jahr 2007 mit Unterstützung einer Schweizer Sterbehilfe-Organisation das Leben zu nehmen, setzte den Schritt auch wegen vieler Solidaritätsbekundungen nicht um. Nach dem Raubüberfall fühle er sich nun nicht mehr sicher, sagte Martin dem Tagesspiegel: „Ich finde keinen Frieden“.

Er vermutet, dass eine Pflegerin, die er vor kurzem entlassen hat, den Überfall organisiert hat. Ein Sprecher der örtlichen Polizeidirektion in Birmingham sagte am Donnerstag, man habe keine Zweifel an dem Tathergang. Nun werte man die Überwachungskameras und Fingerabdrücke aus. Festnahmen habe es aber bisher noch nicht gegeben.

In der Noel- und Jacqueline-Martin-Stiftung in Potsdam reagierte man bestürzt auf die Nachricht. Wer helfen wolle, könne das bestehende Spendenkonto für Noel Martin nutzen, sagte Geschäftsführerin Katrin Nikiforow.

Infos unter: www.noel-martin.de oder telefonisch unter (0331) 281466

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