Einbruchsserie in Kleinmachnow : "Hier ist es für Diebe einfach zu verlockend"

Eine Einbruchserie erschreckt die Bewohner von Kleinmachnow. Die Gemeinde verkauft künstliche DNA, um Wertsachen markieren zu können.

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Eine Einbruchserie erschreckt Kleinmachnow
Schwer zu schützen. Was in der Dunkelheit und im schummrigen Laternenlicht so romantisch aussieht, bedeutet für viele...Foto: Manfred Thomas

Er hat gebellt und gebellt. Doch als die Einbrecher das Fenster zu dem Kleinmachnower Einfamilienhaus aufgehebelt hatten, sperrten sie den großen schwarzen Labrador einfach in die Küche. „Nein“, sagt Kim Hoffmann, „Einbrecher lassen sich auch von Hunden nicht stoppen“. Nicht in Kleinmachnow, erzählt die 21-Jährige und zuckt mit den Schultern. „Hier ist es für Diebe einfach zu verlockend“. Bäume versperren die Sicht auf die Einfamilienhäuser, die tagsüber meist verlassen sind. Die Fluchtwege über die Autobahn sind kurz, die Beute vielversprechend. „Ich als Dieb würde auch hierher gehen.“

Herbstferien locken Diebesbanden an

Den Beginn der dunklen Jahreszeit und die Herbstferien haben Diebesbanden für zahlreiche Einbrüche im südlichen Berliner Umland genutzt. Allein am vergangenen Wochenende zählte die Polizei in Kleinmachnow, Stahnsdorf und Teltow zehn Einbrüche und Einbruchsversuche. Sechsmal waren die Täter erfolgreich: In Kleinmachnow suchten die Täter in vier Häusern nach Wertsachen, in Stahnsdorf wurde zweimal eingebrochen. Hält der Trend an, dürften die Einbruchszahlen in die Höhe schnellen. Dabei versuchen sich viele Anwohner zu schützen – immer öfter vergebens.

Hunde seien schon lange kein sicherer Schutz vor Einbrüchen mehr. Das sagt Marcus Seewald vor der Tür seiner Arbeitsstätte in Kleinmachnow. Als der Stein durch das Fenster des kleinen Ingenieurbüros flog, blieben seine Hunde ruhig. Zum Glück, sagt Seewald und verschränkt die Arme vor der Brust. „Einen dicken Knüppel hatten die Einbrecher bereitgelegt.“ Nach dem Einbruch habe die Polizei zudem einen Campingstuhl im Gebüsch gefunden. Regelrecht bequem hatten es sich die Täter gemacht, um das Haus auszuspähen.

Einbrüche in Berlin 2012
Einbrüche in Berlin 2012Grafik: Tsp/Schmidt

Fälle wie diese sind keine Seltenheit. Wer in den engen Siedlungswegen nach Einbruchsgeschichten sucht, wird schnell fündig. Oft kamen die Diebe durchs Fenster oder die Terrassentür. Sie durchsuchten das Haus, rissen Betten auf, schütteten Schubladen aus. Einige gehen bis in den Dachboden. Andere Diebe nehmen die Schubkarre vom Hof samt Wandtresor aus dem Schlafzimmer mit.

Mindestens zwei Banden sind in Teltow aktiv

Mindestens zwei Banden seien derzeit in der Region Teltow aktiv, heißt es von der Polizei. Woher sie kommen? Dazu wollen die Ermittler nichts sagen. „Wir wollen uns nicht in die Karten schauen lassen“, so Polizeisprecherin Jana Birnbaum. „Spielen Sie bloß nicht den Helden“, warnt sie für den Fall, dass man im Schlaf von den Dieben heimgesucht wird. Auch das kommt immer öfter vor. Die Zahl der Kontrollen sei gestiegen. Zivilpolizisten, die Landes- und Bundespolizei sowie der Zoll arbeiteten eng zusammen.

Trotzdem wird die Region die Einbrecher nicht los. So zählte die Polizei in Kleinmachnow im vergangenen Jahr 97 Taten, in Teltow 66 und in Stahnsdorf 53 – allein im ersten Halbjahr waren es in Kleinmachnow schon 65 Einbrüche. Weil die Zahlen nicht sinken, hatte der Chef der Polizeiwache in Teltow, Axel Sander, die Anwohner gewarnt. Viele gingen zu leichtsinnig mit ihrem Eigentum um.

Jürgen Glindemann kann das bestätigen. Seit 15 Jahren ist er in Kleinmachnow für die Sicherheitspartnerschaft aktiv. Zu dem Bündnis gehören neun Anwohner, die von der Polizei geschult wurden und so oft wie möglich durch den Ort gehen. Bewaffnet sind sie selbstverständlich nicht, haben aber einen engen Kontakt zur Polizei. Auch die Sicherheitspartner fühlen sich zunehmend machtlos. Früher gab es Schwerpunkte, an denen sie auf Streife gingen. Inzwischen sei ganz Kleinmachnow betroffen. Mindestens 20 Leute müssten sie sein.

Leichtsinn bei Zugezogenen

„Das A und O bei der Einbrecherabschreckung sind aufmerksame Nachbarn“, sagt Glindemann. Doch vor allem Neuzugezogene zeigten wenig Interesse. Leichtsinnig seien einige obendrein: Fahrräder werden nicht angeschlossen, Leitern stehen offen auf dem Grundstück, das teure Auto auf der Straße.

Auch das Kleinmachnower Rathaus versucht, die Einbrecher abzuschrecken. Dort kann können Einwohner Sets mit künstlicher DNA kaufen, für 45 Euro das Stück. Die einzigartigen Farbkleckse auf den Wertsachen sollen den Diebstahl vermiesen. Schilder warnen die Einbrecher schon am Ortseingang. Auch Glindemann hat den Schmuck seiner Frau auf diese Art markiert. Eine Alarmanlage und eine Videokamera hat er ebenfalls installiert.

Auch Kim Hoffmann und ihre Familie setzen auf Abschreckung. Zu schlimm wiegen die Erinnerungen an den Einbruch in die Privatsphäre. Eine Alarmanlage und helle Lichtstrahler schützen nun das Haus. Das habe sich bewährt, erzählt die junge Frau und streichelt über den hechelnden Labrador an der Haustür. Bei einem zweiten Versuch haben sich die Diebe abschrecken lassen. Nur ihre Fußspuren fand man noch im Garten.

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