Eine Ausstellung von Achim Duchow : Alles für dich

Die Galerie Klaus Gerrit Friese zeigt Arbeiten von Achim Duchow aus den neunziger Jahren, die erstaunlich aktuell sind.

Aus den 80ern auferstanden. "Arbeitsamt" von 1992.
Aus den 80ern auferstanden. "Arbeitsamt" von 1992.Foto: Galerie Friese/VG Bildkunst, Bonn 2018.

Achim Duchow ist das Kind einer anderen Zeit. Da gab es noch die BRD, die sich in einem frei und spießig anfühlte – und Duchow, im Rheinland und an der Hamburger Kunstakademie bei Sigmar Polke künstlerisch sozialisiert, verarbeitete dieses Gefühl zu faszinierenden Tableaus. Wie das aussieht, lässt sich aktuell in der Galerie Klaus Gerrit Friese (Meierottostraße 1, bis 13. Januar) sehen: Duchow, der 1993 mit nicht einmal 50 Jahren verstarb, bedient sich fremder Stile, seine Sprache ist politisch inkorrekt, die Ironie beißend, der bürgerliche Kleingeist stets Ziel seines Spotts. Und doch gewinnt man bei ihm ähnlich wie bei Martin Kippenberger oder eben Polke den Eindruck, dass sie selbst die größten Moralisten sind – und ihr Zynismus bloß ein Mittel, um den Schmerz über die Verkommenheit der Welt auszuhalten.

Zwei Kanister Öl nehmen die Erde in die Mangel

In der Galerie sammeln sich Haushaltsgegenstände. Ein Paar Skier, ein Vogelkäfig, ein Bettgestell. Duchows Paraphrasierung mündet in zeitlosen Installationen. Aus dem Urmodell der Birkenstock-Sandale formt er das Wandbild „Zur Sonne – Die Eurythmie und ihre Auswirkung auf das deutsche Fußbett“ (1991) und konzentriert lapidar eine ganze Ära: Von den Lebensreformern des 19. Jahrhunderts geht es mit den Grünen 1983 ins deutsche Parlament und weiter nach Bad Honnef bei Bonn, wo Carl Birkenstock den Urtyp seiner Gesundheitssandale auf den Asphalt setzte. Das ist natürlich assoziativ und vom Künstler so nicht vorgegeben. Aber doch klar intendiert und die Ausstellung selbst die beste Anleitung zur Duchow-Interpretation. Eindeutig wirkt das kleine Ensemble „Die schwarze Pest“, wo zwei Kanister Öl die fragile Erde in die Mangel nehmen. Vieldeutig die Installation „Guten Morgen, Gregor“: Stehen die präparierten, aufgespießten Käfer für den Künstler? Franz Kafkas Erzählung von der „Verwandlung“ eines Mannes, den die Welt nicht mehr versteht, wird gern als Bild für den ungehörten Kreativen gelesen.

Duchow übt auch Kritik am Kunstmarkt

Duchow ist trotz aller anfänglichen Erfolge und seiner Teamarbeit mit Polke ein unterschätzter Protagonist seiner Zeit. Als er Anfang der Achtziger aus Japan zurück nach Düsseldorf kommt, hat sich die Szene verändert. Der Künstler packt seine Kritik am Kunstmarkt in die Installation „Als die Farben laufen lernten“ von 1990. 25 kleine Gemälde im Stil des Abstrakten Expressionismus stehen zum Verkauf bereit. Alle identisch, alle schnell gemacht für ein hungriges Publikum. Für Duchows Bösartigkeiten, seine Kritik am kolonialen Erbe in deutschen Wohnzimmern, an Konsumgeilheit, Sprach- und Hirnlosigkeit bleibt wenig Platz. Seit einigen Jahren wird sein Werk nun wiederentdeckt, und die Ausstellung zeigt in jedem Raum der Galerie, weshalb das richtig ist.

Galerie Klaus Gerrit Friese, Meierottostr. 1, bis 13. Januar, Di-Sa 11-18 Uhr. Am 13.1. spricht der Kunstphilosoph Bazon Brock um 17 Uhr über Duchow.

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