Der Tagesspiegel : Eine Birne für jedes Bundesland

In Ribbeck stand der berühmteste Obstbaum Deutschlands. Jetzt hat der Havelländische Landrat eine Idee

Claus-Dieter Steyer

Ribbeck - Theodor Fontane hat zwar mit seinem Gedicht über Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland den gleichnamigen Ort in ganz Deutschland bekannt gemacht, aber Touristen zieht es bisher nur selten in das Dorf kurz hinter Nauen. Das soll sich nach dem Willen des Havelländischen Landrates Burkhard Schröder schon bald ändern. Er hat in einem Brief an die Regierungschefs aller 16 Bundesländer um Unterstützung für eine Idee geworben: Im Park des Schlosses, das noch bis zum nächsten Frühjahr restauriert wird, will der SPD-Politiker 16 Birnbäume pflanzen lassen.

Dabei denkt Schröder nicht an Winzlinge, sondern an stattliche Exemplare zum Stückpreis von rund 350 Euro. „Die müssen schon Früchte tragen, um die Birnen ganz nach der Ribbeck’schen Tradition dann an Kinder abzugeben“, sagte Schröder. Das Geld für die einzelnen Bäume möchte er von den 16 Bundesländern einsammeln, die dafür in unmittelbarer Nähe des Stammes mit ihrem Namen und Wappen werben können. Gegen die ursprüngliche Idee, die Bäume aus den jeweiligen Regionen selbst zu liefern, erhoben die einheimischen Gärtner Einspruch. Nicht alle Bäume könnten die Umstellung auf die neue Umgebung problemlos bewältigen, warnten sie.

Mit dem ersten deutschen Birnengarten will der Landrat nicht nur dem Dorf Ribbeck selbst zu einer Attraktion verhelfen, sondern auch das deutschlandweite Interesse wecken. „Überall findet man Menschen, die das Fontane-Gedicht rezitieren können“, meint Schröder. „Das ist an der Nordsee nicht anders als im Bayerischen Wald.“ Wenn die Ministerpräsidenten ihren Birnbaum selbst pflanzen oder ihn zumindest offiziell stiften würden, erscheine Ribbeck in vielen Medien. Erste positive Reaktionen auf die vor zwei Wochen verschickten Briefe meldeten die Staatskanzleien aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hat bereits für diesen Herbst seine Pflanzaktion angekündigt.

Wenn dieser Baum ein halbes Jahr später blüht, können die Ausflügler im Schloss auch eine Fontane-Ausstellung besuchen. Da wird mit Sicherheit auch erklärt, dass der wandernde Dichter dem im Gedicht beschriebenen alten Ribbeck gar nicht begegnet sein konnte. Fontane lebte von 1819 bis 1889, der alte Ribbeck starb schon 1759. Aber bereits Hertha von Witzleben und Olga von Ribbeck hatten die Geschichte über den Birnbaum vorher in Gedichten beschrieben.

Zumindest glauben die Dichter-Experten inzwischen fest daran, dass Fontane selbst einmal in Ribbeck gewesen ist. In seinen berühmten Wanderungen findet sich zwar kein Eintrag, aber in einem Brief beschrieb er das Doppeldachhaus der Ribbecks und fertigte sogar eine Zeichnung an. Das Gebäude gibt es heute nicht mehr. An seiner Stelle steht seit 1893 das Schloss. Nach dem Auszug des Seniorenheimes vor vier Jahren wird es vom Landkreis für fünf Millionen Euro instand gesetzt. „In das Schloss ziehen ein Fontane-Museum, ein Restaurant, eine Außenstelle des Standesamtes Nauen, der Kreisbauernverband und der Tourismusverband ein“, kündigte der Landrat an. „Hier beginnen dann auch Touren durch das Havelland auf den Spuren Fontanes.“ Schon jetzt können Besucher an der Kirche einen Birnbaum betrachten. Es ist allerdings nicht der legendäre aus dem Gedicht.

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