Der Tagesspiegel : Eine Stimme für die Kinder

Katja Ebstein engagiert sich seit langem in Brandenburg. Jetzt gründet sie in Potsdam eine Stiftung

Lars von Törne

Potsdam - Katja Ebstein versteht nicht, wieso die Leute ihr immer wieder diese Frage stellen: Woher sie die Energie dafür nehme, sich neben ihrer künstlerischen Arbeit seit Jahren mit großem Engagement für soziale Projekte einzusetzen? „Das ist doch selbstverständlich“, sagt die Sängerin, und man hört ihrer Stimme an, dass sie es viel ungewöhnlicher findet, wenn Menschen sich nicht für Schwache und Hilfsbedürftige einsetzen. „Das ist bei mir schon als Kind so gewesen“, sagt die 59-jährige Künstlerin. „Ich fühl mich wohl dabei, zu helfen. Es ist nötig, und es muss gemacht werden.“

Rund 25 Jahre ist es her, dass die Berlinerin mit Zweitwohnsitzen in Bayern und auf Amrum mit Schlagern wie „Wunder gibt es immer wieder“ und „Theater, Theater“ berühmt wurde, seitdem reist sie mit literarischen Musikprogrammen durch die Lande und engagiert sich ehrenamtlich für eine Handvoll Organisationen und Initiativen, von Unicef bis zum Verein „Aktion Umwelt für Kinder“, den sie vor zwölf Jahren in Potsdam mitgründete. Am kommenden Sonnabend wird Katja Ebsteins soziales Engagement einen vorläufigen Höhepunkt erleben: Bei einem Gala-Abend im Schlosstheater im Neuen Palais in Potsdam – für den es noch Restkarten gibt – wird die Gründung der Katja-Ebstein-Stiftung zur Unterstützung in Not geratener Kinder gefeiert. Schirmherrin ist Ingrid Stolpe, Ehefrau des früheren Ministerpräsidenten und heutigen Bundesverkehrsministers. Manfred Stolpe steuert ein Grußwort bei.

Wenn es nach Katja Ebstein ginge, trüge die neue Stiftung nicht ihren Namen und würde eher im Verborgenen wirken. Aber dafür sind die Künstlerin und ihre Mitstreiter dann doch zu sehr Realisten. „Damit Spenden kommen, muss man es eben an die große Glocke hängen – sonst würde ich es still für mich alleine machen.“ So hat sie es mit ihrer bisherigen karitativen Hauptbeschäftigung gehalten, dem Verein „Aktion Umwelt für Kinder“, den sie mit ihrem Mann, dem Regisseur Klaus Überall, und anderen nach der Maueröffnung gründete. „Wir wollten etwas für die Kinder tun, die nach dem Ende der DDR aus den Industrieregionen nicht mehr in gesunde Gegenden verschickt wurden, wie das zuvor üblich war“, erzählt sie. Und da sie und ihr Mann auf der nordfriesischen Insel Amrum ein Haus haben, in dessen Nähe einige Landschulheime stehen – in die sie selbst schon als Berliner Ferienkind verschickt wurde –, kam ihr eine Idee: Mit Geld aus einer Gala und einer Tombola schickte sie, beraten vom Brandenburger Gesundheitsministerium und einer Ärztin, Kinder aus sozial schwachen Familien und Waisen aus Cottbus nach Amrum zur Erholung.

„Das war ein tolles Erlebnis“, schwärmt sie noch heute davon, wie sie und ihr Mann die Gruppe betreuten, Wattwanderungen oder Schiffstouren zu Seehundbänken machten. „Als die Kinder zu Hause wieder von der Ärztin untersucht wurden, sagte die: Das hat so gut angeschlagen, das darf man nicht verläppern lassen“, erzählt Ebstein. „Also haben wir unseren Verein gegründet und solche und viele andere Aktionen immer wieder veranstaltet.“

Die Stiftung, die nun am Sonnabend gegründet wird, soll dieses Engagement auf ein breiteres Fundament stellen: „Damit wollen wir über unseren eigenen Verein hinaus viele weitere Projekte für Kinder unterstützen“, sagt Ebstein. „Wir planen Benefizveranstaltungen und wollen viele kleine Initiativen fördern.“

Um die Organisation kümmerten sich allerdings ihre Mitstreiter, sagt Ebstein, denn trotz all des sozialen Engagements ist sie hauptberuflich nach wie vor Künstlerin: Sie tourt mit Heine-, Brecht- und Lyrikerinnen-Programmen, nimmt gerade eine Chanson-CD auf und gibt am 2. Dezember ein Gastspiel mit ihrem satirischen Weihnachtsprogramm „Es fällt ein Stern herunter“ in der Berliner „Distel“.

Kontakt zur Katja-Ebstein-Stiftung und Kartenreservierung für Sonnabend unter Telefon (030) 4465 0540 (Rainer Güttler).

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