Der Tagesspiegel : Eine zum Pferde stehlen Schelter-Nachfolgerin Barbara Richstein genießt hohes Ansehen

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Potsdam. Mit Höhenflügen hat Barbara Richstein keine Probleme. Brandenburgs künftige Justizministerin, Tochter eines Fallschirmjäger-Obersten, ist begeisterte Fallschirmspringerin. 350 mal sei sie schon gesprungen, sagt die 36-jährige. Doch vor dem plötzlichen Karrieresprung habe sie gezögert. „Kurt Schelter hat große Schuhe hinterlassen." Sie wisse, dass sie daran gemessen werde: „Das ist eine große Herausforderung." CDU-Chef Jörg Schönbohm hatte der jungen Landtagsabgeordneten und Rechtsanwältin das Angebot schon am Montag in enger Abstimmung mit Fraktionschefin Beate Blechinger und Fraktionsgeschäftsführer Dierk Homeyer unterbreitet. In der Fraktion genießt die ruhige und selbstbewusste Frau bei den verschiedenen Flügeln Ansehen. Von Schönbohm als Seiteneinsteigerin in die Politik geholt, hat sie sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren als Vorsitzende des Rechtsausschusses und rechtspolitische Sprecherin der Fraktion profiliert, was wegen der Dominanz von Justizminister Schelter nicht einfach war.

Was Schönbohm und andere an ihr schätzen: An Intrigen und Ränkespielen beteiligt sich die in Sindelfingen Geborene, die in Bonn Jura studierte, nicht. Sie gilt als verlässlich, kritikfähig, kollegial. „Mit ihr kann man Pferde stehlen“, schwärmt Geschäftsführer Dierk Homeyer.

Fraktionschefin Beate Blechinger hat keinen Zweifel, dass sie genau die richtige für dieses Amt ist: „Eine kompetente Frau.“ Und Kulturministerin Johanna Wanka freut sich schon auf die neue Kollegin, die die Rolle der Frauen im Kabinett stärkt. „Armer Schönbohm“, sagt sie scherzhaft.

Richsteins Hauptproblem wird sein, dass sie in die Europapolitik – ein Steckenpferd des Politprofis Schelter, der in Brüssel viel für Brandenburg herausgeholt hat – erst hineinwachsen muss. Aber die Marathonläuferin, die 1999 aus Berlin nach Falkensee umzog, gilt als willensstark und ausdauernd. „Sie knickt nicht ein und hat ein starkes Nervenkostüm“, sagen Parteifreunde. Vor ihrem Wechsel in die Brandenburger Politik war sie Vorstandsreferentin der Jüdischen Gemeinde Berlin, seit 1997 Rechtsanwältin in einer eigenen Kanzlei. Die Rechtspolitik, so heißt es, kenne sie aus dem Effeff.

Schönbohm selbst, der mit Richstein noch gestern zu ersten Arbeitsgesprächen fuhr, sieht sich in seiner damaligen Entscheidung, junge Quereinsteiger in die Landtagsfraktion zu holen, bestätigt. Dies habe die Nachfolgesuche erleichtert. Im Frühjahr freilich hatte er Richstein noch einen Korb gegeben: Damals war sein Partei-Vize Sven Petke im ersten Anlauf bei der Wahl zum innenpolitischen Sprecher gescheitert. Ein peinlicher Eklat. Richstein, die von der Fraktionsspitze favorisiert wurde, machte ihre Kandidatur für diesen Posten von Schönbohm abhängig. Der zog den bissigen Wadenbeißer Petke vor, der es im zweiten Anlauf dann dank des Einspruchs des Parteichefs doch noch knapp schaffte. Richstein, die nicht nachtragend ist, steckte das weg, obwohl sie eine Mehrheit in der Fraktion hinter sich hatte.

Auch das honorierte Schönbohm jetzt.

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