Einigung : 4,5 Prozent mehr und neue Streiks

Bei der Deutschen Bahn ist eine erste Einigung im Tarifstreit erzielt worden. Die Beschäftigten der Gewerkschaften Transnet und GDBA erhalten 4,5 Prozent mehr. Die Lokführer streiken hingegen morgen früh und verhandeln erst am Freitag wieder.

Tarifverhandlungen Bahn
Einigung: Bahn-Chef Medorn (Mitte) mit Transnet-Chef Hansen (Rechts) und dem GDBA-Vorsitzenden Hommel (Links). -Foto: dpa

BerlinBahnchef Hartmut Mehdorn und die Vorsitzenden der Gewerkschaften Transnet und GDBA lächelten nicht gerade strahlend nach dem Ende ihres harten Tarifpokers. Eigens für den Händedruck war aber immerhin eine Zuganzeige-Tafel in den Saal eines Berliner Hotels gebracht worden. "Tarifabschluss 2007" stand darauf als symbolisches Fahrtziel, das beide Seiten Minuten vorher erreicht hatten. Für rund 134.000 Beschäftigte des Konzerns bedeutet dies deutlich mehr Geld - das Einkommensplus von 4,5 Prozent ist das höchste seit Beginn der Bahn-Sanierung vor 13 Jahren. Aufatmen können Mehdorn und die Kunden aber nicht: Die Lokführergewerkschaft sitzt nicht mit im Boot und droht für Dienstag erneut mit Stillstand im bundesweiten Zugverkehr.

Dass ihm die Zustimmung zu dem kräftigen Aufschlag nicht gerade leicht gefallen war, wollte Mehdorn nicht verbergen - allein die vereinbarte Einmalzahlung von 600 Euro für Juli bis Dezember dieses Jahres schlägt mit mehr als 80 Millionen Euro zu Buche. Im Interesse der Fahrgäste habe die Bahn aber weitere "unverantwortliche Streiks" abwenden wollen, argumentierte Mehdorn. "Daher haben wir am Ende trotz großer Bedenken diesem Kompromiss zugestimmt." In einer zehnstündigen Nachtsitzung plus Verlängerung am Montagvormittag legten die Verhandler der Bahn denn auch Schritt für Schritt nach: von 3,4 über 3,9 bis schließlich auf 4,5 Prozent.

Mehrmals hatten sich die Delegationen von Transnet und GDBA mit ihrer ebenfalls in Berlin einberufenen Tarifkommission abgestimmt, um den Druck in der heißen Phase hoch zu halten - das Gremium hätte rasch wieder den Beginn neuer Warnstreiks beschließen können. "Das zähe Verhandeln hat sich gelohnt", bilanzierte Transnet-Chef Norbert Hansen zufrieden. Und hob hervor, dass die Beschäftigten nach den mageren Jahren der Sanierung nun ein sattes Gehaltsplus bekommen, wie es die hervorragende Geschäftsbilanz der Bahn hergebe. Um Zustimmung für das Ergebnis warben Hansen und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel allerdings nicht nur mit Blick auf die eigenen Mitglieder - ausstrahlen soll die Magie der 4,5 Prozent auch auf die Kollegen der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL).

Lokführer kämpfen für eigenen Tarifvertrag

"Auch für Lokführer sind deutliche Einkommensverbesserungen erreicht worden", sagte Hansen. Die GDL-Mitglieder hätten doch ein gutes Ergebnis, wenn ihre Gewerkschaft es denn annehmen würde. Aber GDL-Chef Manfred Schell stellte noch einmal klar, dass die Einigung von Berlin für ihn keine Bedeutung habe. "Völlig autark" wolle die GDL für ihr zentrales Ziel eines separaten Tarifvertrags für Lokführer und Zugbegleiter kämpfen. Um den Druck zu erhöhen, soll es an diesem Dienstag zum zweiten Mal binnen sieben Tagen zu massiven Störungen auf dem bundesweiten Gleisnetz kommen: Von 8 bis 11 Uhr sollen hunderte Züge von der S-Bahn bis zum ICE still stehen, kündigte die GDL an. Und fordert weiter bis zu 31 Prozent mehr Geld.

Welchen Erfolg das Muskelspiel hat, wird sich schon in den nächsten Tagen zeigen - bisher war das Verständnis für Proteste der Eisenbahner in der Bevölkerung groß. An diesem Mittwoch kommt die Gewerkschaft Transnet zu einem außerordentlichen Kongress in Fulda zusammen, bei dem der Abschluss noch einmal gebührend gewürdigt werden dürfte. Die Stunde der Wahrheit für die GDL schlägt dann ausgerechnet am Freitag, dem 13. bei einem weiteren Treffen mit der Bahn. Konzernchef Mehdorn ließ schon jetzt keinen Zweifel, dass er in der Frage eines separaten Tarifvertrags nicht wanken werde: "Wir wollen keine Zwei- oder Drei-Klassengesellschaft im Unternehmen." (mit dpa)