Der Tagesspiegel : Einmal die Glühbirne von Johannes Rau auswechseln

Sabrina Born

Im Schloss Bellevue ist ein Traumjob frei. Das Bundespräsidialamt sucht seit dem Wochenende per Zeitungsinserat eine Hausmeisterin oder einen Hausmeister. Herr oder Frau mit Schlüsselgewalt über das Schloss Bellevue werden, Tag und Nacht Zugang zu allen Fest- und Bankettsälen haben? Die Anzeige weckt Assoziationen. Aber was erwartet die oder den Bewerber/in wirklich? Und was wird umgekehrt von ihr oder ihm erwartet?

Garantiert wird ein ungewöhnlicher Arbeitsplatz und -alltag: Nah am Zeitgeschehen, an hohen Staats- und Würdenträgern sowie gekrönten Häuptern. Muss der oder die neue Hausmeister/in Ventilatoren reparieren, Türklinken erneuern oder Wände streichen wie jeder andere Berliner Haustechniker auch? Die Stelle des Haus-Hüters beim höchsten Staatsamt verspricht und verlangt genau das - und mehr. Schnell muss er oder sie sein, zuverlässig und gewissenhaft. "Mal schnell die Glühbirne am Arbeitstisch von Johannes Rau auswechseln gehört natürlich zu den klassischen Tätigkeiten dazu", heißt es aus dem Personalreferat des Bundespräsidialamtes. Beim Ausrollen des roten Teppichs für die amerikanischen und russischen Staatsgäste müsse der Hauswart dagegen nicht helfen, beim Tisch- und Stühle-Schleppen für Staatsbankette mit Blair oder Bush dagegen schon. Alles rund um die Uhr.

Auf die "Bereitschaft zur Mehrarbeit und zur Arbeit in den Abendstunden, an Wochenenden und Feiertagen" weist die Personalabteilung des Bundespräsidialamtes ausdrücklich hin. Gefordert sei außerdem ein gelerntes Handwerk, "bevorzugt Tischler oder Maler, körperliche Belastbarkeit und große Einsatzbereitschaft". Zu den Voraussetzungen gehören ebenso selbstständiges und verantwortungsbewusstes Arbeiten sowie die Fähigkeit zur Arbeit im Team.

Doch wo sich Staatspräsidenten und Botschafter, Könige und Prinzessinnen, Aufsichtsräte und Vorstandschefs zum diplomatischen Austausch treffen, sind noch andere Eigenschaften gefragt. "Diskretion und Verschwiegenheit", heißt es im Inserat. Außerdem gilt: Wenn Anzug und Kostüm, Abendroben und Smoking an der Tagesordnung sind, muss auch der Hausmeister ein "korrektes Erscheinungsbild" abgeben. Mit grün-rot gefärbten Haaren seien die Einstellungschancen nicht besonders hoch, so ein Mitarbeiter des Personalreferats.

Ob da nach getaner Arbeit Zeit für ein Schwätzchen oder eine Runde Skat mit dem Bundespräsidenten bleibt? Der Ex-Hausmeister des Bundeskanzleramtes Kurt Siedow soll seinerzeit abends öfter von Helmut Schmidt Besuch erhalten haben. In der Hausmeister-Loge habe der Dienstherr mit Blockwart und Bodyguards gern eine Runde Skat gezockt und manchmal Weinbrand ausgegeben. Johannes Rau und Ehefrau Christina sind ebenfalls begeisterte Skatspieler. Ob ihr neuer Hausmeister diese Leidenschaft teilen muss? Das Bundespräsidialamt wollte dazu keine näheren Auskünfte geben. Nur eines sei sicher. Eine Hausmeister-Loge gebe es nicht. "Hausmeister sind hier immer in Bewegung." Bewerber sollten sich beeilen.

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