Der Tagesspiegel : Einmal James Bond sein

In der Schorfheide können sich jetzt Hobby-Agenten austoben

Claus-Dieter Steyer

Groß Dölln - Aus dem Bunker dringt dunkler, beißender Rauch nach draußen. Aber eine Umkehr kommt für die Männer und Frauen in den schwarzen Overalls nicht in Frage. Der einst für die Lagerung sowjetischer SS-20-Raketen gebaute Bunker auf dem riesigen Militärgelände bei Groß Dölln in der Schorfheide muss erkundet werden. Schließlich ist hier irgendwo der Code Nummer 5 versteckt. In bester Geheimagenten-Manier verstecken sie deshalb ihre Gesichter hinter Masken und suchen auf dem vor zwölf Jahren aufgegebenen Flugplatz nach Zahlen und Buchstaben. Der Bunker gehört dazu und wird schließlich dank einer rechtzeitig in einer Kiste gefundenen Gasmaske geknackt.

Das Unternehmen „mydays“ aus München hat sich auf die Veranstaltung außergewöhnlicher Erlebnisse spezialisiert. Das nicht ganz ernst gemeinte Spiel „Agentenfieber“ gehört dazu. Wer an zwei aufregenden Tagen einen Tandem-Fallschirmsprung, eine Tour mit einem Luftkissenfahrzeug, verwegene Fahrten mit einem kettenbetriebenen Moped und einem geländetauglichen Motorrad, Schießübungen mit Farbkugeln und zahlreiche andere Mutproben erleben will, kann sich hier mal so richtig austoben – als (fast) auf sich allein gestellter Hobby-Agent. Allerdings hat das Abenteuer wegen des hohen Aufwandes einen stolzen Preis: 549 Euro kostet die Teilnahme am Fahr- und Schießtraining sowie dem darauf folgenden Wettbewerb. Dazu kommen die Kosten für die Anreise und die Übernachtung.

Natürlich ist die Aufgabe der Agenten auf Zeit nichts Geringeres, als die Welt zu retten: Ein gerissener Casinobetreiber namens „Minory“ lagert in seinem Safe Baupläne für eine hoch gefährliche Bombe, mit der er die Menschheit bedrohen und vernichten könnte. Die Zahlen und Buchstaben für das Schloss hat er vorsichtshalber im großen Flugplatzgelände versteckt. Ein Spion – „Mr. Q“ – und dessen Assistentin „Miss Moneypenny“ konnten die einzelnen Verstecke ausfindig machen. Nun braucht es nur noch findiger und mutiger Agenten für das Eindringen in die Bunker und die anderen gruseligen Orte.

Die den Hobby-Spionen angekündigten „Unannehmlichkeiten“ lassen im Laufe des Tages nicht lange auf sich warten. An einen aufregenden Tandemsprung mit einem 40 Sekunden langen freien Fall schließen sich rasch weitere Nervenkitzel an: Ein angeblich bakteriell verseuchtes Gebiet kann nur mit einem Hovercraft-Amphibienfahrzeug überwunden werden. Während für dieses Ungetüm noch ein Pilot zur Verfügung steht, müssen Moped und Motorrad selbst bewegt werden.

Aber auch amüsante Momente fehlen zunächst nicht. So erfolgt der Fallschirmabsprung ins Zielgebiet zwar stilecht aus 2500 Meter Höhe. Aber der Weg zwischen Groß Dölln und dem 30 Kilometer entfernten Startflugplatz in Gransee wurde zuvor im Taxi zurückgelegt.

Den Weg zu den einzelnen Stationen im Gelände finden die Agenten mehr oder weniger schnell anhand eines kleinen Heftes voller Anweisungen, einer Landkarte und dem richtigen Umgang mit dem Kompass. Unterwegs lauert aber auch schon mal unerwartete Gefahr – etwa durch „feindlichen“ Beschuss mit Farbkugeln.

Das Funkgerät erweist sich für die Spezialagenten im Laufe der Zeit als wichtigste Motivation. Denn nach jedem geknackten Code können sie den Erfolg gleich mit freudigem Worten der Zentrale mitteilen. Andererseits kann jeder die Nachrichten der anderen mithören. Kein Verlaufen, kein Hilferuf, kein vorzeitiges Abbrechen des Abenteuers bleibt so verborgen.

Für die erfolgreichen Teilnehmer wartet am Ende des Spiels nicht nur die Freude über die sich öffnende Safetür anhand der richtigen Zahlen und Buchstaben. Filmreif werden die Agenten vor dem Casino auch mit einer Limousine abgeholt. Im Restaurant gibt es von den Organisatoren neben Glückwünschen und kleinen Aufmerksamkeiten vor allem ein T-Shirt. Darauf steht der neue Titel: „Weltretter“.

Das nächste Agentenfieber in Groß Dölln findet am 9. und 10. September auf dem Flugplatz Groß Dölln statt. Die Teilnahme kostet 549 Euro. Auskünfte unter: www.mydays.de und unter Telefon: 018 05 / 95 97 26.

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