Der Tagesspiegel : Einsatz in der Unterwelt

Die BVG saniert ihre U-Bahn-Tunnel. An der U6 sind die Schäden behoben

Michael Winkler (ddp)
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Blick durch die Röhre. BVG-Arbeiter erledigen letzte Reparaturen im fertig sanierten U-Bahn-Tunnel der Linie U6, hier in der Nähe...

Das Projekt „Kuhfell“ steht kurz vor dem Abschluss. An der Gewölbedecke im U-Bahn-Tunnel zwischen den Haltestellen Paradestraße und Tempelhof der Linie U 6 sind nur noch auf wenigen Metern kleine und größere schadhafte Stellen sichtbar. Nach rund zweijähriger Sanierung, die immer nur nachts durchgeführt werden konnte, sind die meisten Schäden behoben. In Kürze würden die Arbeiten abgeschlossen, sagt der Leiter der U-Bahn-Bauabteilung, Uwe Kutscher.

Erst per Infrarotkamera war das tatsächliche Ausmaß der Schäden in diesem Abschnitt und in weiteren U-Bahn-Tunneln der BVG sichtbar geworden. Stahlträger und -streben unter dem Beton waren vom Rost angefressen. Der Spritzbeton an Wänden und Decken war an einigen Stellen durch eindringendes Wasser so aufgeweicht, dass mit dem Schraubenzieher Brocken herausgelöst werden konnten.

Nach Abschluss der Arbeiten im Tunnel der U 6 beginnt die oberirdische Sanierung am Tempelhofer Damm. Dann werden die U-Bahn-Röhren von oben freigelegt, um sie neu abzudichten. Rund zwei Jahre sind dafür eingeplant. Noch in diesem Jahr sollen auch die Arbeiten zur Isolierung des U-Bahn-Tunnels in der Tauentzienstraße zwischen Wittenbergplatz und Gedächtniskirche beginnen.

Strittig ist, ob die Schäden auch durch den zunehmenden Schwerlastverkehr verursacht wurden. „Der Lkw-Verkehr zerstört unsere U-Bahn-Tunnel nicht,“ sagt BVG-Chef Andreas Sturmowski.

Aus Sicht des Sachverständigen und Ingenieurs bei der Industrie- und Handelskammer, Klaus Wacinski, der sich gleichfalls mit den Ursachen befasste, stammen Risse an Decken und Wänden aus der Vor- und Kriegszeit. Sie seien vor allem durch Bombenabwürfe verursacht worden, sagt er. Der Lkw-Verkehr trage nun aber zu deren Vertiefung bei.

Die BVG hat 10 000 Schadstellen in U-Bahn-Tunneln und an Hochbaustrecken dokumentiert. Nur zehn Stellen seien aber in einem kritischen Zustand und würden saniert, heißt es. Mehr als 90 Prozent aller Risse seien unbedenklich. Für die Sanierung des U-Bahn-Netzes stehen bis zum Jahr 2030 Sondermittel in Höhe von 400 Millionen Euro zur Verfügung. Michael Winkler (ddp)

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