Der Tagesspiegel : Einsteins Paradies ist nicht immer offen

Ab Donnerstag kann das Sommerhaus des Genies besichtigt werden – aber nur nach Anmeldung

Claus-Dieter Steyer

Caputh - Wer Albert Einsteins Persönlichkeit besser verstehen will, sollte sich nach Caputh bei Potsdam begeben. Dort steht ab Donnerstag das in Deutschland einzig erhaltene Gebäude, in dem der Nobelpreisträger wohnte, für Gäste offen. Das Sommerhaus am Waldrand ist bescheiden, eigenwillig und trägt die Handschrift Einsteins. Gestern wurde das Anwesen mit einem Festakt nach 15-monatiger Restaurierung eröffnet.

Neugierige können das unter Denkmalschutz stehende Haus nach Anmeldung künftig an drei Tagen in der Woche betreten. Allerdings darf der Besucher keine Hinweistafeln, historische Aufnahmen oder Vitrinen mit Gegenständen erwarten. Einstein selbst verfügte, dass keine seiner Wohnungen museal zu nutzen sei. „Es bleibt deshalb kleinen Symposien, kulturellen Veranstaltungen und Konferenzen vorbehalten“, sagte Susan Neiman, Direktorin des Einstein-Forums, das im Auftrag der Hebräischen Universität Jerusalem das Sommerhaus verwaltet. „Einstein wollte keine Pilgerstätte. Aber er hätte sich bestimmt über das Interesse gefreut.“

Schließlich habe er hier zwischen September 1929 und Ende 1932 auch viele Besucher empfangen. Dazu gehörten Max Planck, Rabindranath Tagore, Käthe Kollwitz und Heinrich Mann. Überliefert ist aus jener Zeit ein heftiger Streit zwischen dem Hausherren und seiner zweiten Frau Else. Sie beklagte sich, dass sich ihr Mann beim Besuch berühmter Menschen keine besseren Sachen anziehen würde. Doch Albert konterte: „Wenn sie mich sehen wollen, bin ich da. Wenn sie meine Kleider betrachten wollen, öffne ich den Kleiderschrank.“

Solche und ähnliche Episoden erfahren die Besucher während der Führungen. Außerdem wird eine kleine Broschüre über „Einsteins Paradies“ verkauft. Rund eine halbe Million Euro steckten die Bundesregierung und die Cornelsen Kulturstiftung in die Restaurierung des Holzhauses. Dabei kam so manches unerwartete Detail zum Vorschein. Im Wandschrank von Stieftochter Ilse fanden die Restauratoren eine Inschrift: „Ich wäre ja gern noch länger geblieben, aber …“ Unterschrieben wurde der Eintrag von einer Familie Schönfeld. Sie wohnte hier im Sommer 1939, als das Haus schon längst durch die Nazis konfisziert worden war. Es diente danach als Wohnung, Treffpunkt der Hitlerjugend, als Ausbildungsstätte und nach dem Krieg wieder als Wohnung. 1979 richtete die Akademie der Wissenschaften der DDR ein Gästehaus ein.

Kurz vor seiner endgültigen Abreise aus Deutschland 1932 kauften die Einsteins für ihr Grundstück noch ein kleines Gartenhäuschen. Hier sollen nach Vorstellung des Einsteinforums ein oder zwei Wissenschaftler in jedem Sommer wohnen und forschen können. Allerdings fehlen noch Sponsoren für das rund 10 000 Euro hohe Stipendium.

Besucher können nur nach Anmeldung unter Telefon (0331) 271 780 das Haus donnerstags, sonnabends und sonntags zwischen 10 und 18 Uhr besichtigen. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt, ermäßigt kostet der Besuch 2,50 Euro.

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