Der Tagesspiegel : Eintritt in Parks von Sanssouci und Charlottenburg bleibt frei Besucher können aber Tickets kaufen, um zur Pflege der Anlagen beizutragen. Stiftung übernimmt Schlösser Paretz, Oranienburg und Schönhausen

Claus-Dieter Steyer

Berlin/Potsdam - Der Eintritt in die Parks der Schlösser Sanssouci und Berlin-Charlottenburg bleibt frei. Stattdessen sollen die Besucher ab 2006 angehalten werden, einen freiwilligen Obolus für die Nutzung der königlichen Gärten in Berlin und Brandenburg zu zahlen. Das legte gestern der Rat der von den Ländern Berlin und Brandenburg sowie vom Bund getragenen Stiftung Preußische Schlösser und Gärten fest. Zugleich einigte man sich darauf, dass die Stiftung die Schlösser Paretz, Oranienburg und Schönhausen übernimmt. Berlin sagte dabei zu, das Schloss in Pankow bis 2009 für 8,6 Millionen Euro zu sanieren.

Der Stiftungsrat lehnte den Vorschlag Berlins ab, nur für den Park Sanssouci einen Eintritt zu erheben. „Eine Sonderbehandlung Berlins kam für die anderen Träger der Stiftung nicht infrage“, sagte Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU). „Somit haben wir uns einvernehmlich auf den freiwilligen Kauf von Tickets ab dem 1. Januar 2006 geeinigt.“ Der Stiftungsrat ist zuversichtlich, dass die Besucher der Gärten ihren finanziellen Beitrag zur Erhaltung der Anlagen leisten. In Umfragen hätten sich 84 Prozent der Besucher in Berlin-Charlottenburg und 81 Prozent der Gäste im Park Sanssouci für die Erhebung von Eintrittspreisen ausgesprochen. Wanka: „Wir erwarten von den rund fünf Millionen Besuchern jährlich eine siebenstellige Summe von Eintrittsgeldern. Jeder kann sich die Karte anstecken und sich als Förderer der Gärten zu erkennen geben“.

Die Stiftung braucht dringend mehr Geld, um das königliche Erbe der Schlösser und Gärten zu bewahren. Jährlich sollen bis 2008 zwar rund 32 Millionen Euro Steuergelder in ihren Haushalt fließen. „Aber der Sanierungsbedarf für die Häuser und Parks liegt in dreistelliger Millionenhöhe“, erklärte der Generaldirektor der Stiftung, Professor Hartmut Dorgerloh. „Deshalb war ich für die Erhebung von Eintrittsgeldern.“ Allein die Sanierung des Neuen Palais verschlinge rund 100 Millionen Euro. Die Pflege der Parks koste 6,4 Millionen Euro. Kulturministerin Wanka warnte vor einem „schleichenden Auszehrungsprozess“, falls sich die finanzielle Situation der Stiftung nicht verbessere. Bei den königlichen Anlagen handele es sich nicht um Volksparks, sondern um Gartendenkmäler. Gerade deshalb sei das Besucherinteresse so hoch. „Aber wir laufen Gefahr, den Status des Unesco-Weltkulturerbes zu verlieren, wenn wir die Pflege nicht erhöhen“, meinte Wanka.

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