Einzelhandel : Tante-Emma-Läden feiern Comeback

Die "Geiz-ist-geil"-Mentalität scheint offenbar am Ende zu sein. In Anbetracht von Aufschwung und sinkender Arbeitslosigkeit achten die Verbraucher wieder mehr auf Qualität statt auf den Preis.

Tante Emma Laden
Ein Tante-Emma-Laden der alten Schule im Jugendstil -Foto: ddp

Frankfurt/MainKleiner, besser und näher am Kunden - Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel steht einer Studie zufolge möglicherweise vor einem Umbruch. Entscheidend sei nicht mehr nur der günstige Preis, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey. Vor allem die gute Erreichbarkeit der Läden, die Übersichtlichkeit der Waren und lange Öffnungszeiten würden immer wichtiger. "Geschäfte, die den Kundenwunsch nach Convenience und Service befriedigen - so wie es früher die Tante-Emma-Läden gemacht haben - stehen vor einem Comeback", sagte McKinsey-Partner Peter Breuer.

In Deutschland folgen diesem Trend zu kleinen, weit verbreiteten Läden mit einem überschaubaren Sortiment vor allem Tankstellen und Kioske, die nach Angaben von McKinsey 2006 mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro rund 14 Prozent des Jahresumsatzes des gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandels erwirtschafteten. Vor allem die gute Erreichbarkeit der Läden, die Übersichtlichkeit der Waren und lange Öffnungszeiten würden immer wichtiger. "Nicht der Preis, sondern Convenience ist heute unter Verbrauchern das wichtigste Kaufkriterium", sagte Breuer.

Aldi-Kunden am zufriedensten

Die zufriedensten Kunden hat demnach der Discounter Aldi. Die Verbreitung, das begrenzte Sortiment und lange Öffnungszeiten brachten dem Unternehmen die höchste Bewertung bei diesem Thema. Auch Edeka bei den Supermärkten und Kaufland bei den SB-Warenhäusern erzielten in ihrem Segment Spitzenresultate, heißt es in der Studie.

Die Branche selbst spricht vom wachsenden Qualitätsbewusstsein der Verbraucher. Die in Anlehnung an eine Werbekampagne "Geiz-ist-Geil-Mentalität" getaufte Sparsamkeit verschwinde allmählich, erklärte die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie vor einigen Wochen. Die Konsumforscher der GfK sehen - auch angesichts sinkender Arbeitslosenzahlen - einen Trend weg von Billigangeboten hin zu Markenprodukten.

In der Rangfolge der Gründe für Kaufentscheidungen rangiert laut Studie der Preis auf dem dritten Platz. Der Anteil derer, die vor allem günstige Produkte schätzen, fiel zwischen 2004 und 2006 von 48 auf 40 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der Verbraucher, die auf Qualität setzen, von 24 auf 29 Prozent. An der repräsentativen Untersuchung nahmen mehr als 9000 Verbraucher aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen und der Schweiz teil.

Spitzenreiter Großbritannien

In ganz in Europa legten die Kunden verstärkt Wert darauf, Lebensmittel schnell und bequem einkaufen zu können. Spitzenreiter sei Großbritannien. Bereits 1994 habe Marktführer Tesco dort seinen ersten Convenience Store in London eröffnet. Inzwischen betreibt der britische Lebensmittelriese rund 750 Läden dieser Art. Kaum ein Geschäft ist größer als 300 Quadratmeter. Erfolgreich ist auch die US-amerikanische Einzelhandelskette 7-Eleven.

7-Eleven diskutiert McKinsey zufolge längst einen Einstieg in den deutschen Markt. Aber auch der traditionelle Handel engagiere sich mittlerweile auf diesem Feld. Kaiser's und Edeka testen kleine Flächenkonzepte. "Dies ist nur der Anfang", sagte McKinsey-Partner Christoph Eltze, Co-Autor der Studie. "Wir rechnen in den nächsten ein bis drei Jahren mit ähnlichen Modellen zahlreicher Wettbewerber." (mit dpa)