Eisschnelllauf-Weltcup : Zweite Plätze für Wolf und Friesinger

Anni Friesinger lachte, Jenny Wolf haderte: So unterschiedlich waren die Reaktionen der beiden deutschen Weltmeisterinnen über ihre zweiten Plätze zum Weltcup-Auftakt der Eisschnellläufer auf dem "Blitzeis" in Salt Lake City.

Frank Thomas[dpa]

Salt Lake City/BerlinWährend die 30-jährige Inzellerin Friesinger nach überstandener Erkältung froh war, über 1000 Meter in 1:14,29 Minuten die drittbeste Zeit ihrer Karriere erzielt zu haben, ärgerte sich Jenny Wolf nach dem 500-Meter-Rennen ein wenig über ihren Patzer in der zweiten Innenkurve. "Ich hätte das Ding locker gewinnen müssen. Natürlich habe ich mich über meinen Fehler geärgert. Aber es gibt ja eine zweite Chance", meinte die 28 Jahre alte Berlinerin nach ihrer trotz des Strauchlers glanzvollen Zeit von 37,47 Sekunden. Nur bei ihren beiden Läufen zum Titelgewinn im März (37,04/37,38) an gleicher Stelle war die Weltrekordlerin noch schneller gewesen. "Die zweite Kurve hat sie total versaut. Da war heute der Weltrekord drin", spekulierte Damen-Bundestrainer Markus Eicher. So musste sich die Literaturstudentin der Chinesin Beixing Wang (37,32) beugen, die danach auch über 1000 Meter in 1:14,19 Minuten eine Zehntelsekunde schneller war als Anni Friesinger.

Zuversicht für die Saison gibt Jenny Wolf aber die sagenhafte Angangzeit von 10,18 Sekunden, die zuvor noch niemand erreichte. Ihr eigener Weltrekord steht bei 10,28 Sekunden, darf aber nur in separaten 100-Meter-Rennen und nicht als Durchgangszeit aufgestellt werden. "Ich weiß, dass ich es drauf habe", meinte Jenny Wolf und konnte wenig später schon wieder schmunzeln. Vielleicht meinte sie damit nicht nur den Sieg über Wang, sondern auch das Knacken der 37-Sekunden-Traumgrenze.

Begeistert war Teamchef Helge Jasch auch von Anni Friesinger. Nachdem ihr Start wegen des Infekts bei den deutschen Meisterschaften lange unsicher war, zeigte sie an der Stätte ihres Olympiasieges vor fünf Jahren im Duell gegen Weltmeisterin Ireen Wüst (Niederlande/7.) ihre Klasse. "Das hat sie super gemacht. Ohne Testrennen eine solche Leistung - das verlangt Respekt", meinte Jasch, der auch Heike Hartmann lobte. Die Junioren-WM-Zweite von 2001, die seit dieser Saison nicht mehr für Erfurt, sondern Inzell startet, verbesserte ihre Bestzeiten auf 38,04 Sekunden über 500 und 1:15,13 Minuten über 1000 Meter und stieß mit den Rängen fünf (500 Meter) und acht (1000 Meter) in die Weltelite vor. "Ein Topeinstand", meinte Jasch.

Wotherspoon verbessert 500-Meter-Weltrekord

Für den Paukenschlag des Tages sorgte aber Jeremy Wotherspoon: Über 500 Meter verbesserte der 31-jährige Kanadier in 34,03 Sekunden den Weltrekord von Lee Kang-Seok gleich um 0,22 Sekunden. Auch der Weltmeister aus Südkorea blieb als Zweiter in 34,20 noch unter seiner alten Bestmarke. Nach den Enttäuschungen bei den Olympischen Winterspielen in Turin hatte der siebenmalige Weltmeister Wotherspoon seine Karriere eigentlich schon beendet und feierte nun mit seinem 17. offiziellen Weltrekord ein tolles Comeback. "Das Rennen war nicht perfekt, deshalb habe ich nie mit dieser Zeit gerechnet. Jetzt halte ich es sogar für möglich, die 34-Sekunden-Marke zu knacken", meinte "Spoon", der sich bei seinem 58. Weltcupsieg - kein männlicher Eisschnellläufer hat mehr auf seinem Konto - in neuem Outfit und extrem kurz geschorenem Haar vorstellte.

Im Schatten des schnellsten Rennens der Eisschnelllauf-Geschichte gelang dem Niederländer Erben Wennemars über 1500 Meter in 1:42,32 Minuten die Egalisierung des Weltrekordes von 1000-Meter-Olympiasieger Shani Davis (USA), der diesmal mit Platz drei hinter Denny Morrison (Kanada/1:42,79) zufrieden sein musste. Den deutschen Herren blieb einmal mehr nur die Statistenrolle, obwohl Stefan Heythausen (Grefrath) in 1:45,82 Minuten ein deutscher Rekord gelang. Dieser reichte aber im Weltklassefeld nur zu Rang 17. Der deutsche Meister Samuel Schwarz stürzte und konnte sich damit den Rekord nicht zurückholen.