ELECTRO-POP2raumwohnung : Halt dich fest, Cowboy

Jörg Wunder

Vor zwei Jahren war es so weit: Auch hartnäckige 2raumwohnung-Sympathisanten knickten ein, als sich das Berliner Duo mit seinem vierten Album „36 Grad“ endgültig von seiner Stammhörerschaft zu verabschieden schien. Statt feinmotorisch federnder Elektropop-Ohrwürmer wie „Wir trafen uns in einem Garten“ oder „Ich und Elaine“, mit denen Inga Humpe und Tommi Eckart seit der Millenniumswende den Beweis angetreten hatten, dass intelligente deutschsprachige Popmusik gleichzeitig erfolgreich sein kann, wummerten plötzlich stumpfe Beats, zu denen La Humpe mit flach produzierter Stimme Banalitäten aus dem Poesiealbum von sich gab. Dass die an balearische Großraumdiscobeschallung erinnernden Songs teilweise unter Mitwirkung von Rosenstolz-Mastermind Peter Plate entstanden waren, konnte man hören: Die Schmerzgrenze zum Schlagertechno wurde entschlossen ignoriert.

Vielleicht fühlten sich 2raumwohnung ja trotz der Erschließung neuer Käuferschichten, die „36 Grad“ zum erfolgreichsten Album der Bandgeschichte machten, unbehaglich. Jedenfalls ist das aktuelle Werk „Lasso“ ein beherzter Schritt zurück: Statt mit Presslufthammer und Abrissbirne sind die neuen Stücke wieder als subtil eskapistischer Feelgood-Pop instrumentiert. Zwar werden Zeilen wie „Cowboy Cowboy halt dich fest / weil sich nicht jedes Pony fangen lässt“ („Lasso“) niemals Gegenstand germanistischer Proseminare sein, aber die dazugehörige Melodie krallt sich wie viele andere mit sanftem Nachdruck im Gehörgang fest. Also vergessen wir schnell den Ballermann-Ausflug und freuen uns über die Rückkehr von 2raumwohnung auf die Seite des Guten. Jörg Wunder

Admiralspalast, So 4.10., 20 Uhr, 26-30 € + VVK

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