ELECTRO-POPRöyksopp : Roboter in der Disco

Jörg Wunder

Ach, segensreiche Unkenntnis des Vokabulars fremder Sprachen: Hätten Torbjørn Brundtland und Svein Berge 1998 ihre Band in Flensburg anstatt im nordnorwegischen Tromsø gegründet, würden sie womöglich Kartoffelbovist heißen. Und bei aller Sympathie für die putzigen Sporenschleudern wäre das ein bescheuerter Bandname. Röyksopp bedeutet ungefähr das Gleiche, klingt aber für Nichtnorweger wie viele Begriffe aus dem skandinavischen Sprachraum irgendwie niedlich oder geheimnisvoll.

Dass die in die norwegische Pop-Metropole Bergen umgesiedelten Elektropop-Spezialisten 2001 allerdings gleich mit ihrer ersten Platte „Melody A. M.“ europaweiten Erfolg einfahren konnten, lag an der gediegenen Qualität und treffsicher den Zeitgeist spiegelnden Qualität: Melancholische Downbeat-Schlurfer wie „Eple“ oder „Poor Leno“ füllten die Lücke, die Air mit ihrem Abdriften in progrockige Gefilde hinterlassen hatten. Auf dem Nachfolger „The Understanding“ konnten Röyksopp das Niveau locker halten und machten clevere Schritte in Richtung Pet-Shop- Boys-artiger Pop-Noblesse. Ihr aktuelles Album „Junior“ ist offensiver beatlastig als die bisherigen Werke. Unter behutsamer Aktualisierung ihres achtzigerlastigen Synthie-Klangbildes gelingen Brundtland und Berge perfekt getimte Groovemonster für den distinguierten Discotänzer, wobei sie von der dichten Vernetzung der skandinavischen Pop- Szene profitieren: Stücke wie „The Girl and the Robot“ oder „Miss it so much“ sind nicht nur, aber eben auch dank der Beteiligung der prägnanten Stimmen von Robyn und Lykke Li sichere Hits. Jörg Wunder

Lido, Di 7.4., 21 Uhr,

ausverkauft

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