Elektroautos : 2010 soll das Elektrojahr werden

Viele stromgetriebene Modelle angekündigt

Thomas Geiger (dpa)

Die Automobilindustrie ist elektrisiert. Denn zwar ist die Idee vom Fahren mit Strom nicht neu. Doch sind alle Projekte bislang gescheitert. Fortschritte in der Batterietechnik und wachsender Leidensdruck durch die steigenden Spritpreise könnten das Blatt aber bald wenden: Fast alle Hersteller kündigen Elektroautos an.

Branchenexperten läuten daher bereits das Ende des Verbrennungsmotors ein: Schon in wenigen Jahren werde es zahlreiche Modelle mit E-Antrieb geben. So hat VW-Chef Martin Winterkorn für 2010 die erste Kleinserie batterieelektrischer Fahrzeuge angekündigt. Und Mercedes will den Smart mit Lithium-Ionen-Akkus aufrüsten. Die neuen Modelle sollen 2010 auf die Straße kommen. Auch BMW hat eine Versuchsreihe mit Elektro-Minis angekündigt.

Elektrofahrzeuge in großen Stückzahlen planen Renault und Nissan. Für ein Projekt in Israel wollen sie laut Umweltchefin Alice de Brauer von 2011 an bis zu 30000 Wagen mit Batterieantrieb auflegen. Um die Reichweite zu erhöhen, planen sie Austausch: „Statt den Akku über mehrere Stunden zu laden, kann man ihn an jeder Tankstelle gegen einen vollen austauschen“, sagt de Brauer. Peugeot und Citroën haben eine Kooperation unterzeichnet.

Allerdings haben alle Stromer ein Problem: „Im Stadtverkehr und auf kurzen Strecken werden kleine Autos allein mit ihrer Batterie fahren können“, sagt Renault-Entwickler Patrick-Henri Girard. „Doch für familientaugliche Fahrzeuge und große Distanzen wird der Fortschritt bei der Batterietechnik so schnell nicht reichen.“ Als Brückenlösung gelten deshalb Fahrzeuge mit kombinierten Antrieben, die aber anders als aktuelle Hybridmodelle auch größere Distanzen im Elektromodus zurücklegen können. Dafür hat zum Beispiel VW jetzt den Golf TwinDrive vorgestellt, dessen 82 PS starker Elektromotor mit einer Akkuladung rund 50 Kilometer schafft. Ist die Batterie leer, fährt man mit dem serienmäßigen Dieselmotor, der weiterhin an Bord bleibt.

Während VW vom Golf „TwinDrive“ vorerst für 2010 nur eine Kleinserie plant, will General Motors dann bereits mit der Produktion des Chevrolet Volt begonnen haben: 2010 soll er in den USA auf den Markt kommen, „und zeitnah wird es das Fahrzeug dann auch in Europa geben“, verspricht Projektchef Frank Weber.

Der Trend zum Elektroauto hat neben den etablierten Herstellern auch eine Reihe neuer Anbieter auf die Straße gelockt. So spricht man plötzlich wieder über den norwegischen Kleinfahrzeughersteller Think, im kommenden Jahr soll auch der Tesla Roadster nach Europa kommen – und in der Schweiz plant der ehemalige VW-Chefdesigner Murat Günak mit seiner Firma Mindset ein vollkommen neu entwickeltes Elektroauto, das in 18 Monaten auf den Markt kommen soll.

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