Der Tagesspiegel : Elite-Profs warten auf den Kombilohn

Baden-Württemberg sagte private Zuschläge zu, doch bis jetzt fehlt dafür ein Gesetz, dass die Benutzung von Drittmitteln für die Löhne der Top-Forscher erlaubt.

Frank van Bebber

KarlsruheMinisterpräsident Günther Oettinger (CDU) war im März selbst nach Karlsruhe gekommen, um dem 200-Millionen-Spender dankbar die Hand zu drücken. Dem Milliardär Hans-Werner Hector versprach er, mit dem gestifteten Geld könne die Elite-Universität Karlsruhe um die besten Köpfe buhlen. Für sie sei das Landesgehalt allein nicht mehr verlockend. Schon zuvor hatte auch Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) versichert, man werde einen Kombi-Lohn für Professoren einführen, bei dem privates Geld die Bezüge aufstocken könne. Drei Monate nach dem Festakt steht jedoch fest, dass sich ein Millionenscheck leichter ausstellen lässt als ein neues Gesetz zur Besoldung von Professoren.

Bislang nämlich fehlt ein Gesetz, dass es erlauben würde, den vom Land gespeisten Gehaltstopf der Unis mit fremdem Geld aufzufüllen. Sogenannte Drittmittel dürfen bislang in Mitarbeiterjobs und Geräte fließen, nicht aber in die Lohntüte des Top-Forschers. Das Projekt hängt in der Warteschleife der Landespolitik. Kandidaten für die Spitzenlöhne müsse man vorerst vertrösten, sagt der Karlsruher Rektor Horst Hippler.

Das Problem: Der Professoren-Lohn ist nur kleiner Teil eines gewaltigeren Vorhabens. Er ist eingeschnürt in der Reform des Dienstrechtes, an der sich die Politik seit geraumer Zeit abarbeitet. "Das ist ein ganz großes Paket", sagt ein Sprecher des Staatsministeriums. Umstritten sind etwa Pensionsalter oder Ballungsraumzuschläge. Einen Zeitplan will das Staatsministerium lieber nicht mehr nennen. In den beteiligten Ministerien richtet man sich auf Frühjahr 2009 ein. Damit ließe der konkurrenzfähige Professorenlohn noch fast ein Jahr auf sich warten. Die Politiker sehen keine Möglichkeit, ihn vorab allein zu beschließen. Man fürchte den Zorn der kleinen Beamten bei einer Sonderlösung für Professoren, heißt es.

Die Hochschulen sammeln unterdessen eifrig Geld. Die Universität Mannheim verbuchte im Juni eine Spende von einer halben Million Euro. Das Geld solle das Staatsgehalt umworbener Professoren auf internationales Niveau heben, verkündete sie. In einem Fall verhandelt die Uni bereits. Der Karlsruher Rektor Hippler sieht in der Vorlaufzeit immerhin den Vorteil, die komplexe Materie ohne Zeitdruck solide zu regeln.

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