Elitewettbewerb : Charité: "Opfer des Erfolges"

Die Berliner Charité befürchtet, wegen ihrer finanziellen Probleme nicht an der nächsten Runde des Elitewettbewerbs teilnehmen zu können.

Tilmann Warnecke

„Es besteht kaum Möglichkeit für weitere Kofinanzierungen, somit ist die Teilnahme an der Exzellenzinitiative II wahrscheinlich nicht möglich “, erklärt der Vorstand der Charité im Wirtschaftsplan 2009, der am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert wurde.

Was könnte der Satz bedeuten? Aus der Charité hieß es gestern, die Äußerung sei vor allem als „Drohgebärde“ gegenüber dem Senat zu verstehen. Man wolle ein weiteres Absenken der Landeszuschüsse für die Forschung verhindern. Die Charité müsse nämlich immer mehr Geld ausgeben, um Verstetigungen von Professuren zu bezahlen, wenn Förderprogramme auslaufen. Das würde neben Professuren aus den Elitevorhaben auch für Sonderforschungsbereiche gelten. Da die Charité dabei bisher sehr erfolgreich abgeschnitten habe, sei die Verstetigung von weiteren Erfolgen kaum zu leisten. „Die Charité droht, Opfer ihres eigenen Erfolges zu werden“, hieß es.

Im Aufsichtsrat – dem Wissenschaftssenator Zöllner vorsitzt – sei das Problem erkannt worden. Letzten Endes werde man „unter allen Umständen“ doch versuchen, erneut an der Exzellenzinitiative teilzunehmen. Auch ein Sprecher Zöllners erklärte, die Wissenschaftsverwaltung gehe davon aus, „dass die Charité alles unternehmen wird, um die Beteiligung am Exzellenzwettbewerb in Zukunft sicherzustellen“. Um Spitzenforschung zu betreiben, bestehe „selbstverständlich die Möglichkeit, zusätzliche Eigenmittel über den Masterplan zu bekommen.“

Allein für dieses Jahr sieht der Wirtschaftsplan der Charité Einsparungen von 20 Millionen Euro bei Forschung und Lehre vor. 13 Millionen Euro davon muss das Uniklinikum einsparen, weil das Land weniger Zuschüsse überweist. Nun kommen sieben Millionen Euro zusätzlich hinzu, um das Defizit in diesem Bereich aus dem letzten Jahr abzutragen. Die Einsparungen sollen vor allem durch Stellenabbau erreicht werden. Stipendien und studentische Hilfskräfte werden gekürzt. Der Topf für die leistungsorientierte Mittelvergabe an die Professoren wird um 40 Prozent verringert. Dies sei einer der wenigen Posten, bei denen das Geld flexibel zu bewegen sei, sagte Charité-Dekanin Annette Grüters-Kieslich vor dem Wissenschaftsausschuss.

Wegen Belastungen in der Krankenversorgung und für die Infrastruktur plant die Charité auch in diesem Jahr erneut mit einem Millionenverlust. Er soll dieses Jahr insgesamt bei 19,5 Millionen Euro liegen. 2008 hatte das Gesamt-Minus knapp 57 Millionen Euro betragen. Die Opposition im Abgeordnetenhaus kritisierte, die Einsparungen an der Charité würden zu sehr zulasten von Forschung und Lehre gehen. Es gebe „signifikante Risiken für die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit“, sagte Lisa Paus (Grüne). Der Senat müsse angesichts der Risiken die Landeszuschüsse für die Charité erhöhen, forderte Nicolas Zimmer (CDU). Sebastian Czaja, wissenschaftspolitischer Sprecher der FDP, sagte, der Wirtschaftsplan komme einer „Insolvenzerklärung“ der Charité gleich. Der Begriff wurde von den Vertretern der anderen Parteien allerdings scharf zurückgewiesen. „Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage“, sagte Annette Fugmann-Heesing (SPD). Tilmann Warnecke

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