Elsterwerda : Campina soll bleiben – oder zahlen

Politiker fordern die Rückzahlung der Fördermittel, falls das Milchwerk Elsterwerda geschlossen wird.

Sandra Dassler

Elsterwerda/Potsdam - „Die Politik muss alles tun, um Campina am Standort Elsterwerda zu halten“, sagt der brandenburgische SPD-Fraktionsvorsitzende Dietmar Woidke. „Und wenn es nicht anders geht, auch durch Rückforderung der bislang geflossenen Fördermittel. 20 Millionen Euro dürften das schon sein.“

Woidke war bis vor kurzem Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz in Brandenburg. Er hat noch die glücklichen und stolzen Gesichter der Campina-Beschäftigten vor Augen, als vor einigen Jahren eine neue „Dessert-Strecke“ im Milchwerk Elsterwerda eröffnet wurde. „Pudding für Holland und für ganz Europa“ werde man hier herstellen, wurde damals angekündigt, so erinnert sich Woidke.

Das Land habe die Investitionen mit hohen Fördersummen unterstützt. Deshalb sei es auch für ihn ein Schock gewesen, als das niederländische Molkereiunternehmen Royal Friesland-Campina N.V. vor zehn Tagen bekannt gab, dass es sein Werk in Elsterwerda mit 350 Beschäftigten schließen will. Von Erklärungen einiger Landespolitiker, wonach man nach Alternativen suchen wolle, hält Woidke nichts: „Wer diese strukturschwache Region kennt, der weiß, dass es hier kaum Alternativen gibt.“

Agrar- und Wirtschaftsministerium müssten alles tun, um das Werk zu retten, sagte Woidke. Und er begrüßt, dass sich Ministerpräsident Matthias Platzeck noch vor Weihnachten mit Vertretern der niederländischen Geschäftsführung treffen will. „Selbst die Beteiligung des Landes an weiteren Investitionen darf kein Tabu sein“, sagte Woidke: „Wenn aber alles nichts hilft, muss Brandenburg die Fördermittel, deren Zweckbindungsfrist noch nicht abgelaufen ist, zurückforden. Und zwar mit Zinsen.“

Wie berichtet, beabsichtigt das Unternehmen, den Produktionsstandort in Elsterwerda Mitte 2011 komplett zu schließen. Die Produktion von Joghurts und Desserts soll dann auf die Standorte Gütersloh, Heilbronn und Köln verlagert werden. In Elsterwerda wären nicht nur 350 Arbeitsplätze direkt betroffen, sondern auch etwa ebenso viele Milchbauern sowie Logistik- und Handwerksbetriebe aus der Region.

Weil das Werk in Elsterwerda schwarze Zahlen schreibt und genügend Aufträge hat, traf die Hiobsbotschaft die Beschäftigten kurz vor Weihnachten völlig unerwartet. Betriebsrat, Gewerkschaft und Lokalpolitiker kündigten Widerstand an. „Die Firmenleitung hat immer gesagt, Elsterwerda sei das Tor zum Osten“, sagt die SPD-Landtagsabgeordnete aus dem Elbe-Elster-Kreis, Barbara Hackenschmidt: „Wo ist denn das Tor zum Osten jetzt – in Köln?“

Sie fordert Offenlegung der Unternehmenspläne. So sei es nicht ausgeschlossen, dass der Konzern nur pokere, um Zuschüsse für eine weitere Investition zu erhalten. Es könne auch nicht sein, dass man die subventionierten Maschinen hier ab- und im Westen wieder aufbaue – ohne zu versuchen, das Werk an andere Interessenten zu verkaufen und so die Arbeitsplätze zu erhalten. Sandra Dassler

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